Das Leuchten des Ijen Kraters

Den Ijen Krater besuchten wir im Rahmen unserer Asien-Reise 2014. Der Ausgangspunkt hierfür war das kleine Städtchen Banyuwangi, das auch gleichzeitig der Fährhafen für unsere Überfahrt nach Bali war. Nach Banyuwangi haben wir uns von Malang aus mit einem privaten Fahrer fahren lassen, für ca. 400.000 IDR pro Person.

 

Erleben

Tierisches Vergnügen in Banyuwangi

Banyuwangi ist ein beschauliches, gepflegtes Städtchen mit etwas über 110.000 Einwohnern. Eigentlich gibt es dort nicht wirklich viel zu sehen: Einen Marktplatz, ein Moschee, einen überdachten Markt und eine Shopping Mall. Die meisten Touristen nutzen Banyuwangi daher auch nur als Durchreisestation für den Ijen Krater oder um zu den Surf Spots in G-Land zu kommen. Auch an der Rezeption unseres Hotels konnte man gar nicht verstehen, warum wir uns überhaupt die Stadt ansehen wollten. Trotzdem oder gerade deswegen erlebte ich in Banyuwangi eines der Highlights unserer Reise.

In der Stadt selbst war auf den ersten Blick wirklich nicht viel los und so schlenderten wir entspannt von der lauten Shopping-Mall durch die ruhigen Straßen zur Moschee und dem gegenüberliegenden Marktplatz (Alun-Alun). Dort fanden wir eine kleine Menschenansammlung vor und gesellten uns neugierig dazu, um herauszufinden, was es dort spannendes zu sehen gab. Wir hatten wirklich Glück, denn an diesem Tag war eine Organisation vor Ort, die den Bewohnern die verschiedenen Schleichkatzenarten vorstellte, um für deren Arterhaltung zu kämpfen. Aufgrund der großflächigen Waldrodungen in Indonesien ist die Hauptbedrohung vieler Schleichkatzenarten der Verlust ihres Lebensraums, so dass einige Arten bereits als gefährdet gelten.

Wie sich herausstellte waren die Indonesier jedoch ebenso fasziniert von mir, wie ich von den Schleichkatzen und so bekam ich immer wieder eine neues Tier auf den Arm gesetzt, während sich eine weitere Gruppe mit mir fotografieren ließ. Jetzt weiß ich endlich, wie es sich anfühlen muss Lady Gaga oder Paris Hilton zu sein. Crazy!

Schleichkatze und ich
Gegenseitiges Beschnuppern

Indonesian Fans

 

Sonnenaufang über dem Ijen Krater

Seitdem ich Bilder des blau flammenden Ijen Kratersees gesehen hatte, stand für mich fest, dass ich dort unbedingt hin musste. Der Kratersee, Kawah Ijen, des Ijen Massivs ist ein Ort der Extreme, der aus mehreren Gründen eine unglaubliche Faszination ausübt. Er besteht aus türkisfarbenem, säurehaltigem Wasser und wird daher auch als größtes Säurefass der Erde bezeichnet. Am Ufer des Sees befindet sich eine Schwefelmiene, wo sich die, durch Rohre zum See geleiteten, Schwefeldämpfe immer wieder durch Überhitzung entzünden, so dass des Nachts dort jenes magische, blaue Leuchten zu sehen ist.

Die Arbeit der Schwefelarbeiter wird häufig als einer der härtesten Jobs der Welt bezeichnet. Sie schleppen bis zu 70kg schwere, mit Schwefel gefüllte Bambuskörbe erst den 200m höher liegenden Kraterrand hinauf und dann wieder 3 Kilometer den Berg hinab. Das schaffen sie ca. 2 – 3 Mal am Tag für 7 – 9 Euro. Dazu kommt, dass die giftigen Schwefeldioxid-Dämpfe die Lungen zerfressen, so dass die meisten Männer nicht älter als 47 Jahre werden. Der von den Arbeitern per Hand abgebaute Schwefel wird zur Herstellung von Streichholzköpfen, Weißung von Zucker und zur Produktion von Bleichmitteln verwendet.

Sulfur Worker

Ijen Crater Mine

Die Nacht-Tour zum Ijen Krater haben wir völlig unkompliziert am Tag zuvor im Hotel für 425.000 IDR pro Person gebucht und wurden dann um 01 Uhr Nachts mit einem Jeep abgeholt. Während wir in der friedlichen Dunkelheit an Reisfeldern und kleineren Dörfern vorbei, immer höher in den bergigen Wald hinauf fuhren, stieg mit jedem Höhenmeter und jeder Kurve, die wir hinter uns ließen, auch meine Aufregung. Schließlich kamen wir auf einem stockdunklen Parkplatz an und der 3km lange Aufstieg zum Kraterrand konnte beginnen.

Allein die Wanderung bei dunkelster Nacht den Berg hinauf war schon unglaublich: Über uns der unendliche Sternenhimmel, neben uns der steile Abhang mit den riesigen Bäumen, während die Dunkelheit immer wieder vom Funkeln einer anderen Taschenlampe durchbrochen wurde. Auf der Hälfte des Weges, auf dem es 500m Höhenunterschied zu überwinden gilt, erreicht man eine Station, in der die Schwefel-Arbeiter ihre Ausbeute wiegen.

Ijen Volcano
Ijen Kratersee bei Sonnenaufgang

Auch wenn der Aufstieg relativ steil und anstrengend ist, hatten wir nach ca. 70 Minuten den Kraterrand erreicht. Zum Glück war es dunkel, denn so konnten wir die Warnschilder nicht lesen, die vor einem Abstieg zum Krater warnen. Daher waren wir auch sofort begeistert dabei, als unser Guide fragte, ob wir mit ihm in die 200 Meter tiefe Schlucht zum Säuresee hinab klettern wollten. Schon von oben konnte man immer wieder das faszinierende Aufleuchten der blauen Flamme erahnen.

Nach einem abenteuerlichen Abstieg, währenddem immer wieder die Schwefelarbeiter mit ihren schweren Körben an uns vorbei eilten, war das Schauspiel der blauen Flamme dort unten dann aber um ein Vielfaches überwältigender und wortwörtlich atemberaubender. Der Schwefeldioxid-Rauch nimmt einem nämlich jeglichen Sauerstoff, so dass man dort freiwillig nicht lange bleiben möchte. Insbesondere, wenn man direkt in eine Schwefeldioxid-Wolke hineingerät: Die Lungen scheinen dann schlicht nicht mehr zu funktionieren. Du atmest ein, aber kein Sauerstoff kommt an. Die Augen brennen und stechen, der Blick wird verschwommen und man verliert jegliche Orientierung. Es ist wirklich unglaublich, wie die Mienen-Arbeiter dies Tag für Tag ertragen können.

Da der Wind an diesem Tag, die Wolke immer wieder zu uns trieb, war es uns daher leider  nicht möglich ein richtiges tolles Foto der blauen Flamme zu schießen.

Nachdem wir zurück an den Kraterrand geklettert waren, spürte ich erst, wie kaputt ich war. Zudem war der Wind dort oben bitterkalt, so dass ich trotz meiner dicken Klamotten vollkommen durchgefroren war. Trotzdem ging es direkt weiter, den Kraterrand entlang, um den Sonnenaufgang über dem Meer zu erleben. Auf dem Weg dorthin kamen wir immer wieder an kleinen Gruppen vorbei, die um ein Lagerfeuer herum saßen, Gitarre spielten und sangen. Eine unsagbar tolle Stimmung – und dann noch dieser traumhafte Blick, als die Sonne die unwirkliche Landschaft endlich in Licht tauchte. Wahnsinn!

Sunrise at Ijen Volcano

Crater Rim IjenNach dem anstrengenden Rückweg den steilen, rutschigen Berg hinab, saßen wir total fertig aber glücklich im Jeep, diesen einmalig bezaubernden und zugleich extrem lebensfeindlichen Ort erlebt zu haben.

 

Übernachten

Unser Hotel war das Ketapang Indah mit einem super Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Zimmer sind zwar nicht die modernsten, dafür aber wirklich groß und sauber. Das Highlight des Hotels ist aber sicherlich der riesige, wunderschön angelegte Garten. Ein tropischer Traum! Auch der gepflegte, ruhige Pool war perfekt, um sich nach der anstrengenden Nacht-Tour zum Ijen Krater wieder zu erholen. Das Frühstücksbuffet im wunderschönen, offenen Restaurant war groß und das Personal durchweg extrem freundlich und aufmerksam.

Hotel Ketapang IndahDa das Hotel in unmittelbarer Nähe zum Fährhafen nach Bali liegt und damit etwas außerhalb von Banyuwangi City, haben wir auch nur dort gegessen, so dass die Kategorie Essen / Trinken diesmal leider ausfallen muss.

 

Warst Du schon mal am Ijen Krater oder planst einen Trip dort hin? Ich freue mich über Deinen Kommentar.

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