Jerusalem

Shalom, Israel! Jerusalem & Totes Meer mit Kind

Von Tel Aviv wollten wir für zwei Tage mit dem Mietwagen nach Jerusalem fahren. Jerusalem ist mit über 880.000 Einwohnern die größte Stadt Israels und das religiöse wie politische Zentrum des Landes. Da die Stadt, bzw. die Altstadt für alle drei abrahamitischen Religionen (also Judentum, Christentum und Islam) von große Bedeutung ist, ist die Stadt seit jeher Spannungsfeld der Kulturen und Religionen. In Jerusalem selbst gibt es über 1.200 Synagogen, 150 Kirchen und 70 Moscheen.

Jerusalem Old Town

Was wir bei der Planung unserer Reise leider nicht bedacht hatten, war der Umstand, dass Israel in diesem Zeitraum seinen 70. Jahrestag der Unabhängigkeit feierte und US-Präsident Trump daher auf die glorreiche Idee kam, genau an dem Tag, an dem wir nach Jerusalem fahren wollten, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Ich weiß, dass die politische Situation in Israel sowieso permanent angespannt ist, aber dieser Umstand hat dazu geführt, dass sie noch ein bisschen angespannter wurde.

Zum Hintergrund: Ost-Jerusalem wurde im Rahmen des Sechstagekrieges 1967 von Israel erobert und anschließend annektiert. Aus israelischer Sicht ist Ostjerusalem heute Teil des vereinigten Jerusalems, einschließlich der Teile des Westjordanlandes, die von Israel zum Jerusalemer Stadtgebiet erklärt wurden. Die Palästinenser dagegen beanspruchen den von Israel annektierten Ostteil Jerusalems als Hauptstadt eines zukünftigen eigenen Staates. Infolgedessen wird Jerusalem bis heute international nicht einheitlich als alleinige Hauptstadt Israels anerkannt. Mit der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem und der damit verbundenen Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels, wurden die Friedensbemühungen im Nah-Ost Konflikt somit erneut zurückgeworfen. Der Umzug selbst ist dabei eher symbolischer Natur. Nur eine Handvoll enger Mitarbeiter zog mit dem Botschafter nach Jerusalem. Der Rest arbeitet in der bisherigen Botschaft in Tel Aviv weiter.

Trump make Israel Great Again

Schon Stunden vor der Eröffnung der US-Botschaft gab es an Israels Grenze zum Gazastreifen gewaltsame Zusammenstöße. Mehr als 50 Palästinenser wurden getötet, etwa 2800 Menschen verletzt. Das Auswärtige Amt in Berlin mahnte daher zur Vorsicht und riet dazu auf US-Einrichtungen, Ostjerusalem aber auch das Gebiet um das Herodes-Tor in Jerusalem zu meiden. Wie passend, dass schon unser Hotel in Tel Aviv fast gegenüber der US-Botschaft lag! Jedenfalls entschloßen wir uns trotzdem an unseren Plan festzuhalten und machten uns auf den Weg nach Jerusalem.

Empty Streets Old Town Jerusalem

Ich erwartete Staus, Demonstrationen und Verkehrschaos, nun zumindest mehr Polizei und Verkehrsaufkommen zu sehen. Aber nichts von alledem! Wir konnten problemlos mit dem Auto in die Stadt fahren und fanden zentral in der Stadtmitte einen Übernachtparkplatz auf dem Orion Parking (Shamai St 2). Eigentlich wollten wir auf einem günstigeren Parkplatz in der Rabbi Aktiva Street parken (am Anfang, gegenüber der Foccicia Bar), aber der war leider bereits voll belegt. So zahlten wir ca. 65 EUR um 48 Stunden zu parken. Auf dem anderen Parkplatz hätte es nur die Hälfte gekostet. Zur Info: Das Parken in Jerusalem selbst ist für Touristen schwierig, da man auf der Straße nur parken kann, wenn man über ein App Parktickets zieht. Die App war zum Zeitpunkt unserer Reise jedoch nur auf Hebräisch verfügbar sowie man einen Wohnsitz in Israel benötigt, um sich dort registrieren zu können. Daher mussten wir den teuren Parkplatz als Option wählen.

Old Town JerusalemUnser Hotel, das recht neu erbaute Ibis City Center, lag mitten in der Neustadt und nur 10 Minuten Fußweg von der Altstadt entfernt. Die Zimmer waren modern und funktional eingerichtet. Das Frühstücksbuffet war definitiv das Beste unserer Reise mit einer großen Auswahl an warmen und kalten Speisen, Müsli, frischen Früchte und unzähligen Salate. Das Personal vor Ort war außerdem sehr freundlich und hilfsbereit, nur auf Emails wurde sehr zögerlich geantwortet.

In Jerusalem war es an beiden Tagen unseres Aufenthalts sehr ruhig, von einer erhöhten Anspannung haben wir nichts mitbekommen. Auch in der Altstadt selbst war erstaunlich wenig los – vielleicht aufgrund der Reisewarnung? Jedenfalls konnten wir ganz entspannt durch die alten Gassen schlendern und die Magie dieses geschichtsträchtigen Ortes in uns aufsaugen. Die Altstadt selbst ist in das muslimische, jüdische, christliche und armenische Viertel eingeteilt und vollständig von einer beeindruckenden Stadtmauer umgeben, die aus dem 16. Jahrhundert stammt. Ein Großteil der Stadtmauern ist frei zugänglich, so dass man bei der Umrundung der Altstadt einen Blick hinter die Kulissen werfen und das Treiben hinter Klostermauern, Schulhöfen und auf den Dächern der Stadt beobachten kann. Tickets für den Ramparts Walk gibt es am Jaffator, neben der Touristeninformation. Der Weg selbst ist zweigeteilt: Die nördliche Strecke führt vom Jaffator über das Damaskustor bis zum Löwentor. Die südliche Strecke führt von der Davids-Zitadelle zum Dungtor. Es empfiehlt sich diesen Weg für morgens oder abends einzuplanen, da es mittags sehr heiß sein kann. Außer einigen lauthals betenden Christen hatten wir den Weg über die Mauer komplett für uns allein.

City Wall Jerusalem

 

In der Altstadt selbst findet sich eine Vielzahl bedeutender religiöser Bauwerke. Die wichtigsten sind:

  • Die 400 Meter lange Klagemauer. Der Platz vor der Klagemauer ist rund um die Uhr kostenlos zugänglich, jedoch sollte man auf angemessene Bekleidung achten.
  • Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aqsa Moschee. Nicht-Muslimen können den Tempelberg nur zu bestimmten Zeiten betreten und zwar über das Marokkaner Tor (Mughrabi Gate) bzw. die Rampe vor der Klagemauer. Die Zugangskontrollen sind streng, außerdem sollte man unbedingt angemessene Kleidung tragen (also Schulter und Knie bedecken). Das Betreten der Innenräume von Felsendom und al-Aqā-Moschee ist Nicht-Muslimen verboten.
  • Die mächtige Grabeskirche, die im Inneren aus einem düsteren Labyrinth einzelner Kirchen besteht. Ihre Bedeutung erhält die Kirche dadurch, dass hier wichtige Stationen des Kreuzwegs liegen: Der Salbungsstein Jesu Christi, der Golgathafelsen, also der Ort an dem Jesus starb und nicht zuletzt das Grab Jesu. Die Grabeskirche ist meist sehr überlaufen. Aufgrund der politischen Situation hatten wir jedoch Glück und konnten ohne längere Wartezeiten hinein.
  • Die Via Dolorosa, also der Kreuzigungsweg Jesu Christi. Sie führt von der Festung Antonia, dem Ort der Verurteilung, bis in die Grabeskirche. Auch für nicht Gläubige ist die Via Dolorosa somit ein schöner Leitanden, um viele Sehenswürdigkeiten der Altstadt zu erkunden, die man sonst einzeln besuchen würde.

Erlöser Kirche

Mein eigentliches Highlight war es jedoch, wenn wir uns planlos durch die Gassen der Altstadt treiben ließen, um den Zauber dieser alten, geschichtsträchtigen Wege ganz auf uns wirken lassen konnten. Tara fand es besonders toll, dass sie einmal komplett die Richtung bestimmen durfte und uns so im Zick-Zack immer tiefer in die Altstadt hineinlotste. Durch Zufall kamen wir so auch zu einer Treppe, die uns auf die Dächer der Altstadt führte. So konnten wir den phänomenalen Ausblick auf den Tempelberg im wunderbaren Nachmittagslicht genießen. Ein weiteres Highlight für Tara waren auch die unzähligen Katzen, die uns unterwegs begegneten.

Cat

Durch einen weiteren Zufall erfuhren wir außerdem von einem der ältesten Tattoo Studios der Welt – Razzouk Tattoo – das seit 1300 durch die Familie Razzouk betrieben wird. Während wir durch die Altstadt schlenderten hupte mich plötzlich ein älterer Mann aus seiner Limousine heraus an (ich dachte erst, ich würde im Weg stehen) und sprach mich auf mein Tattoo an. Es stellte sich heraus, dass es Anton Razzouk war, der uns von seinem Studio erzählte. Christliche Pilger können sich dort als Zeichen ihrer Pilgerfahrt nach Jerusalem religiöse Symbole tätowieren lassen.

Tattoo

Doch auch die Neustadt selbst ist sehr reizvoll und bietet sich zum Erkunden an. Hier reihen sich prächtige, moderne Regierungsgebäude, an Einkaufsstraßen und moderne Parkanlagen. Außerdem befindet sich in der Neustadt die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem.

Essen

Ob in der Altstadt oder Neustadt, an jeder Ecke findet man einen Stand an dem man frischgepresste Säfte kaufen kann, eine leckere Bäckerei oder einen Falafel Shop. Besonders zu empfehlen sind  die Säfte bei Tutti Frutti (Ben Yehuda 24) und die Falafel bei Moshiko Falafel (Ben Yehuda 5). In der Altstadt, im muslimischen Viertel nahe des Herodes Tors, fanden wir außerdem einen Bäcker, der ganz köstliche süße Teilchen und würzige Brote verkaufte, so dass wir gleich mehrfach dort vorbei gingen.

Bakery Old Town Jerusalem

Ebenso gibt es auch in Jerusalem eine gute Auswahl an vegetarisch-veganen Restaurants, so zum Beispiel das Village Green in der Neustadt (Yo’el Moshe Salomon St 5). Sehr empfehlen kann ich auch den kleinen Delikatessenladen Oren & Yani (10, Shats St 4), in dem man an einigen wenigen Tischen leckeren Wein trinken und einige wenige ausgewählte Speisen kredenzen kann. Ein echter Geheimtipp!

Totes Meer

Unser Plan sah des Weiteren vor, dass wir vom Jerusalem aus einen Abstecher ans Tote Meer machen wollten, bevor wir nach Tel Aviv zurückfahren würden. Als Ziel hatten wir uns Kalia Beach ausgesucht, da dieser Strandabschnitt einerseits sehr schön und andererseits in nur 30 Minuten Fahrtzeit von Jerusalem zu erreichen war. Was ich bei der Planung nicht bedacht hatte war die Tatsache, dass sich dieser Teil des Toten Meeres gar nicht in Israel, sondern im Westjordanland (der Westbank) befindet, also einem der palästinensischen Autonomiegebiete. Zwar zählt die Region zu Gebiet C, also dem vom israelischen Militär verwalteten Teil, aber dennoch waren wir unsicher, ob wir den geplanten Trip aufgrund der angespannten, politischen Situation umsetzten sollten. Wir fragten also im Hotel nach und als man uns versicherte, dass es dort vollkommen ruhig sei, entschlossen wir uns den Plan in die Tat umzusetzen.

Desert Highway

Vermutlich hätten wir mit unserem Mietwagen eigentlich gar nicht ins Westjordanland fahren dürfen und noch besser wären wir nicht der Route unseres verrückten Navis (maps.me) gefolgt, das uns direkt (den kürzesten Weg eben) durch kleinste palästinensische Siedlungen lotste, kilometerlang an der israelischen Sperranlage vorbei. Irgendwann ging es dann auch gar nicht mehr weiter, weil der Weg einfach komplett versperrt war, bzw. wir dann eine Abkürzung Richtung Ramallah nehmen sollte. Insgesamt war die Strecke aber, sobald wir auf dem Highway 1 waren, komplett ruhig und problemlos zu befahren. Wir wurden an den Grenzanlagen nicht angehalten oder kontrolliert und kamen so tatsächlich in gerade mal 30 Minuten an dem wunderschönen Kalia Beach an. Dort gibt es Duschen, Umkleiden, Liegen und Sonnenschirme und natürlich darf auch der obligatorische Souvenirshop nicht fehlen.

Das Tote Meer ist mit 428m unter dem Meeresspiegel der am tiefsten gelegene See der Erde – ja, genau See, denn tatsächlich ist es ein abflussloser See, der vom Jordan gespeist wird. Der Salzgehalt des Toten Meeres liegt bei bis zu 33 %. Das Mittelmeer hat im Vergleich dazu einen durchschnittlichen Salzgehalt von 3,8 %. Das Klima am Toten Meer ist sehr trocken und heiß und dementsprechend warm ist auch die Wassertemperatur. Aufgrund des hohen Salzgehaltes ist das Baden für Kinder im Toten Meer nicht zu empfehlen. Auch sollte man auf keinen Fall Wasser in die Augen bekommen oder gar schlucken, was ab einer gewissen Menge sogar tödlich sein kann. Tara durfte daher, währendem wir abwechselnd im Toten Meer floateten, mit dem schwarzen Schlamm spielen. Das Schweben im Toten Meer und anschließende Schlammbad ist wirklich ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte. Meine Haut hat sich auch schon lange nicht mehr so gut angefühlt, wie danach. Wir genossen dann noch eine Weile die spektakuläre Aussicht über die unwirkliche Kulisse in der tiefsten Bar der Welt, bevor wir uns auf den Rückweg nach Tel Aviv machten.

Erfahre hier, was wir in Tel Aviv erlebten und welche Tipps ich für dich habe.

Dead Sea

 

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