Luang Prabang with baby

Luang Prabang erleben

Wir waren im November / Dezember 2015 für eine Woche mit unserer damals 5 Monate alten Tochter in Luang Prabang. Die Stadt hat eine lange Geschichte und ist mit ihren zahlreichen Tempeln sowie den gut erhaltenen Kolonialbauten Unesco Weltkulturerbe. Sie war im 14. Jahrhundert Sitz der Königsfamilie und damit die Hauptstadt des ‘Reichs der eine Million Elefanten’. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde Luang Prabang mehrfach durch Kriege zerstört, immer wieder aufgebaut und zuletzt im 19. / 20. Jahrhundert maßgeblich durch den Stil der französischen Kolonialherrscher geprägt.

Luang Prabang Royal Museum

Diese lange, ereignisreiche Geschichte zeigt sich auch heute noch im Aussehen und Flair der über 45.000 Einwohner Stadt. Dennoch fällt es schwer die Seele der Stadt mit Zahlen, Daten und Fakten zu erfassen. Ich hatte mir Luang Prabang jedenfalls anders vorgestellt, vielleicht etwas größer, etwas herausgeputzter und ein bisschen mehr fake. In Luang Prabang sind jedoch die wenigsten Tempel oder Gebäude herausgeputzt, geschweige dennSunset am Mekong perfekt renoviert. Überall platzt das Gestein auf und die Natur gräbt sich ihren Weg hervor, Böden sind notdürftig geflickt und die Dächer geben teilweise den Blick zum Himmel frei. Gleichzeitig macht aber genau das den speziellen Charme der Stadt aus. Hier zählt tatsächlich nicht der glänzende, äußere Schein, sondern die innere Haltung. Die Stadt ist ungeheuer echt, entspannt und ruhig. Außer am Nachtmarkt, dem Königspalast und dem Wat Xieng Thong habe ich kaum größere Ansammlungen von Touristen gesehen. Teilweise hatten wir das Gefühl, fast alleine durch die verschlafenen Straßen zu schlendern und konnten das besondere Licht am Mekong, die Ruhe und Besinnlichkeit ganz für uns genießen.

Doch auch die Anreise war schon irgendwie anders als erwartet: Wir sind mit einer kleinen, wackeligen Turboprop der Lao Airlines von Chiang Mai nach Luang Prabang geflogen. Für mich, mit meiner Flugangst, war das natürlich ein ganz besonders, spaßiges Erlebnis. Jedenfalls war ich bereits während des Fluges zwischen Todesangst und staunender Begeisterung, über die wunderschöne Landschaft die unter uns vorbei zog, hin und hergerissen. Während Tara auf meinem Schoß friedlich schlief, konnte ich sehen wie sich der Mekong, wie ein braunes Band, durch die unzähligen, grün bewachsenen Berge schlängelte. Sonst nichts, keine Dörfer oder andere Anzeichen für Menschen – bis auf einmal die charakteristische Halbinsel Luang Prabangs aus dem Grün auftauchte.

Lao from above

Dieser Flug sowie unsere gesamte, entspannte Woche in Luang Prabang fühlten sich ein wenig wie ein Traum an, in dem ich in der Zeit zurück gereist bin. Die Tage bestanden aus gemütlichen Spaziergängen, ein paar ruhigen Tempelbesichtigungen und viel leckerem Essen. Da die Luft morgens wesentlich frischer und auch kühler ist, haben wir unsere Spaziergänge mit Tempelerkundungen in den Vormittag gelegt. Während der Mittagshitze haben wir auf der wunderbaren Dachterrasse des Indigo House oder am Pool des My Dream Boutique Hotels entspannt. Am frühen Abend sind wir dann meist noch einmal über die Halbinsel und den Nachtmarkt spaziert.

Luang Prabang

 

Erleben

Die Halbinsel Luang Prabangs kann man in einem (oder zahllosen) entspannten Spaziergängen erkunden, besonders angenehm ist dabei der kaum vorhandene Verkehr. Viele Einheimische und Touristen sind mit Fahrrädern unterwegs sowie eine Flotte E-TukTuks für fußfaule Touristen zur Verfügung steht. Sicherlich ließen sich alle Top-Sehenswürdigkeiten in einem gut durchgeplanten Tag abklappern. Dabei würde man aber die bezaubernden engen Gassen, die Tempel abseits der Hauptstraße und so viele traumhafte Blicke auf den Mekong verpassen.

Die hier aufgeführten Tempel sind meine persönlichen Highlights und stellen somit nur eine kleine Auswahl der zahlreichen Sehenswürdigkeiten dar, die man in Luang Prabang und Umgebung bewundern kann. Auch was die weiteren Aktivitäten angeht hat Luang Prabang noch sehr viel mehr zu bieten: So kann man zum Beispiel Fahrten auf dem Mekong oder Trekking-Touren unternehmen, Elefanten-Camps besuchen und und und. Wir waren jedoch so sehr von dem ruhigen Zauber der Stadt gefangen genommen, dass wir gar nicht das Bedürfnis nach mehr Erleben, mehr Staunen, mehr Aktivität hatten und so einfach nur die Tage mit uns und der Stadt genossen haben.

 

Wat Xieng Thong

Dieser Tempel befindet sich an der nördlichen Spitze der Halbinsel und wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Da er im Zuge der zahlreichen Kriege und Feuer nicht zerstört wurde, ist er der älteste Tempel der Stadt und damit auch einer der bedeutendsten Tempel in ganz Laos. Dementsprechend ist er sehr gut renoviert, aber auch ebenso gut besucht. Der Eintritt kostet 20.000 Kip.

Vat Xieng Thong SimEs empfiehlt sich, den Tempel über den großen Treppenaufgang vom Mekong zu besuchen, da man so direkt auf den wunderschönen, schimmernden Sim zugeht. Wir waren am frühen Abend, kurz vor Sonnenuntergang dort, so dass sich die letzten Strahlen der tief stehenden Sonne besonders schön in den grünen Verzierungen des Staffeldaches reflektierten. Es schien, als würde das gesamte Gebäude aus grün, funkelnden Edelsteinen bestehen.

Die Tempel in Luang Prabang wirken insgesamt wesentlich erdiger und ruhiger, als die thailändischen Tempel. Hier dominieren neben Gold viele dunkle braun, rot und sogar schwarz Töne. Die typischen, tief herabhängenden Dächer, scheinen die Gebäude dabei wie eine schützende Decke zu umschließen. Im Wat Xieng Thong finden sich auch all diese Elemente wieder, so dass man im Inneren des Sim fast das Gefühl hat sich geborgen in einer friedlichen Höhle zu befinden. Andererseits sticht er jedoch durch die kunstvollen, bunten Spiegelmosaik-Verzierungen hervor, die sich insbesondere auf der Rückseite des Gebäudes befinden.

Vat Xieng Thong

 

Wat Mai

Der Wat Mai stammt aus dem 18. Jahrhundert und befindet sich am südlichen Ende der Halbinsel. Der Tempel wurde im Jahr 2004 zuletzt aufwändig restauriert und besticht nicht nur durch sein eindrucksvolles, fast den Boden berührendes Dach, sondern auch durch das ebenso detailreiche wie prunkvoll verzierte Relief auf der Vorderseite. Ganz im Gegensatz zu dieser äußeren Üppigkeit wirkt der Innenraum des Sim beruhigend, klar und warm. Auch hier muss man als Tourist 20.000 Kip Eintritt zahlen.

Vat Mai

 

Wat Vixoum (oder Visoum) & That Makmo

Für mich ist dieser Tempel, der etwas abseits, südlich des Mount Phou Si liegt, eine absolute Entdeckung, ein Geheimtipp. Es heißt, der Tempel sei einst das prächtigste Bauwerk der Stadt gewesen, bis er im 19. Jahrhundert zerstört wurde. Heute sieht man von diesem Glanz zwar nichts mehr, dennoch kann man die Bedeutung, insbesondere die Geschichte dieses Tempels noch deutlich spüren. Das liegt vermutlich daran, dass sich die gesamte Anlage in einem sehr notdürftig, renovierten Zustand befindet. Man kann das Alter und den Zerfall wortwörtlich durch die Löcher des Daches und den aufgeplatzten Boden rieseln sehen. Dementsprechend wenige Touristen verirren sich auch dorthin. Der Eintritt kostet die üblichen 20.000 Kip pro Person.

Da der Sim unter anderem auch als Museum dient, wird der Altar von unzähligen Buddhas, Büsten und Schnitzereien umrahmt. Das wirkt fast so, als würden diese scheinbar wahllos platzierten Figuren der beeindruckenden, hölzernen Buddha-Statue in ihrer Mitte huldigen: Eine wirklich ganz unglaubliche Atmosphäre.

Ebenso beeindruckend ist auch der That Makmo, eine riesige, dunkle Stupa, die sich vor dem Wat Vixoum befindet. Der That wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach zerstört. Zuletzt ist er 1914 in sich zusammengestürzt und 1932 wieder aufgebaut worden, jedoch sieht man auch heute schon wieder deutlich die Spuren der Natur, die sich durch die Ritze des brüchigen Mauerwerks ihren Weg ans Licht bahnt.

That Makmo

 

Mount Phou Si

Wegen der tollen Aussicht auf Luang Prabang und Umgebung ist es ein Muss den Mount Phou Si zu besteigen. Nicht wirklich beeindruckend, aber ganz nett anzusehen ist der, sich auf der Spitze des kleinen Berges befindende, That Chomsi. Es gibt mehrere Zugänge zum Berg. Für den Aufstieg haben wir uns für den Hauptaufgang mit den über 300 Treppenstufen entschieden. Wie auch an allen anderen Eingängen, muss man dort 20.000 Kip Eintritt pro Person zahlen. Der Weg selbst war nicht besonders anstrengend und führt durch einen schönen Wald, der immer wieder den Blick auf die Stadt freigibt. Nach den obligatorischen Panoramafotos auf der Spitze des Berges, haben wir dann den Abstieg im Süden genommen, vorbei an einigen fröhlichen Buddha-Statuen und einer kleinen Höhle, in der sich ein Fußabdruck Buddhas befinden soll. Während uns auf dem Hautaufgang noch einige Touristen begegnet sind, waren wir auf dem Rückweg ganz für uns. Ebenso friedlich und verlassen war auch das Wat Pa Khe, an dem wir schließlich wieder am Fuße des Berges heraus kamen.

 

Der morgendliche Almosengang der Mönche

Luang Prabang ist das spirituelle Zentrum von Laos. Das erkennt man auch an den über 1.000 Mönchen die mit ihren safranfarbenen Roben das Stadtbild prägen. Aus diesem Grund ist der morgendliche Almosengang der Mönche (dag bat) auch ein fester Bestandteil des alltäglich, gelebten Buddhismus vor Ort. Die Mönche ziehen dabei schweigend durch die Straßen und nehmen von den Gläubigen ihre tägliche Essensration entgegen. Für die Gläubigen ist dies ein religiöser Akt, der ihr positives Karma potenziert.

Diese Zeremonie ist wunderschön anzuschauen und aus eben diesem Grund ein sehr beliebtes Foto-Motiv für Touristen. In der Stadt finden sich daher zahlreiche Flyer und Plakate mit dem Hinweis, dass man als Tourist einen respektvollen Abstand zur Zeremonie einhalten und die Mönche nicht wie Freiwild mit seinem Fotoapparat abschießen sollte. Wir selbst wollten uns den Almosengang vom Balkon unseres Hotelzimmers aus anschauen und waren jedoch sehr irritiert, als wir beobachten konnten, wie sich eine Gruppe Touristen zwischen die Einheimischen auf dem Boden platzierte. Dort schossen sie dann ein gestelltes Selfie nach dem anderen. Somit hatte der Almosengang für uns leider jeglichen Zauber verloren.

Giving Alms Ceremony Luang Prabang

 

Kuang Si Wasserfälle

Ich habe wirklich schon viele Wasserfälle gesehen und bin immer wieder beeindruckt von der bloßen Naturgewalt, die sich einem dabei offenbart. Von allen Wasserfällen, die ich bisher gesehen habe, gehören die Kuang Si Wasserfälle definitiv zu den Schönsten. Zu den Wasserfällen kann man einerseits sehr kostengünstig mit dem Sammel-TukTuk fahren. Um Tara zu schonen haben wir uns jedoch den Luxus eines Autos mit privatem Fahrer geleistet. Das hat 310.000 Kip gekostet und war definitiv die richtige Entscheidung, da die 40-minütige Fahrt doch wesentlich holpriger als gedacht war.

Lao Bear Rescue

Wir sind direkt nach dem Frühstück aufgebrochen und waren so schon um 10 Uhr am Eingang des noch leeren Parks. Am Ticketschalter (Eintritt kostet 20.000 Kip) sind wir dann direkt rechts abgebogen, um am Bärengehege des Bear Rescue Center vorbei zukommen. Schade, ich habe leider erst später erfahren, dass sich das Projekt nur durch Spenden finanziert, sonst hätte ich mir auf jeden Fall ein lustiges T-Shirt zur Unterstützung der Bären gekauft. Nachdem wir eine Weile die schönen asiatischen Schwarzbären beobachtet haben, sind wir dem Weg zu den ersten Kalksteinwasserbecken gefolgt. Das Wasser fließt, vom großen Wasserfall kommend, kaskadenförmig über diese Becken den Berg hinunter. Da sich in den Becken spezielle Mineralien befinden, leuchtet das Wasser dort in sehr kräftigen türkis und hellblauen Farben. Das ist im Sonnenlicht wunderschön anzusehen. In den Becken selbst, die immer wieder durch kleine Wasserfälle unterbrochen werden, kann man ein erfrischendes Bad nehmen. Neben Umkleidekabinen gibt es dort auch zahlreiche Bänke und Tische, die zum Picknicken bereit stehen. Achtung: Das Wasser ist wirklich ziemlich kalt!

Weiter oben kommt man an einem Restaurant vorbei und kurz dahinter folgt die eigentliche Attraktion: Der sich über 30 Meter hinab stürzende Kuang Xi Wasserfall. Wir haben dann den linken Weg nach oben zur Krone des Wasserfalls genommen. Mit dem Baby im Tragetuch war der Weg wirklich sehr abenteuerlich (angeblich sollte der Weg, der rechts am Wasserfall vorbeiführt noch unwegsamer sein). Wir mussten auf steilen, ausgetretenen Pfaden durch den Dschungel und dann glitschige Holzdielen hinauf klettern. Ich war mehrmals kurz davor umzukehren, da mir bereits während des Aufstiegs vor dem Abstieg grauste. Doch die atemberaubende Aussicht auf die üppig, grüne Landschaft und der Blick von oben auf den Wasserfall hinunter, waren allemal die Mühe wert. Der Abstieg war dann auch wesentlich einfacher, als ich es befürchtet hatte. Vor allen Dingen war ich aber froh, dass Tara die aufregende Kletterpartie unbeschadet überstanden hatte.

 

Kuang Si Butterfly Park

Nur einige Meter vor den Wasserfällen liegt der, von einem sehr herzlichen holländischen Pärchen betriebene, Schmetterlingspark (Eintritt = 40.000 Kip). Nach dem anstrengenden Auf- und Abstieg zum Wasserfall ließen wir uns direkt von dem idyllisch gelegenen Café des Parks dazu verleiten eine Pause zu machen und stärkten uns mit einem leckeren Baguette. Danach besichtigten wir die liebevoll, mit Orchideen und tropischen Pflanzen, angelegte Schmetterlings-Voliere. Neben unzähligen, farbenprächtigen Schmetterlingen, kann man die zarten Insekten dort auch in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien erleben: Verpuppt und als Raupe Nimmersatt. Außerdem gibt es einen kleinen Teich mit einem Fisch-Spa. In dem Teich stehen zwei Stühle, auf denen man entspannt die Schmetterlinge beobachten kann, während einem hunderte, kleine Fische sanft die Fußsohlen sauber knabbern.

 

Namsing Brücke (Bamboo Bridge)

Die Bambus Brücke ist nur während der Trockenzeit begehbar, bzw. wird sie jedes Jahr nach der Regenzeit instand gesetzt oder bei Bedarf sogar komplett neu aufgebaut. Das Überqueren der Brücke kostet hin- und zurück 4.000 Kip und ist schon ein abenteuerliches Unterfangen, besonders wenn man die reißende Strömung des Nahm Khan unter sich wahrnimmt und sieht, dass simultan fleißig an der Brücke weiter gebastelt wird.

Bamboo Bridge

Was Luang Prabang sonst noch alles zu bieten hat, kannst Du hier nachlesen.

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