Mandalay Palace

Mandalay mit Kind

Wir waren im November 2018 mit unserer damals 2,5 jährigen Tochter in Myanmar. Unser erstes Ziel war Mandalay, die alte Königsstadt. Die Stadt war für nur wenige Jahre die letzte Hauptstadt des Königreiches Birma. Sie wurde nach einer alten Prophezeiung im Jahr 1857 gegründet, indem der Palast im nahe gelegenen Amarapura abgebaut und am Fuße des Mandalay Hills wieder aufgebaut wurde. Bereits 1885 wurde Birma dann jedoch von der britischen Armee erobert, der König nach Indien ins Exil geschickt und damit Yangon zur neuen Hauptstadt der britischen Kolonie ernannt.    

Mandalay – was für ein magischer Name, der wie ein kostbares Juwel im Mund liegt. Der Name trägt den Duft der schwül-warmen Monsunluft in sich, den Glanz kolonialer Zeiten und exotischer Königreiche. Tatsächlich hat das heutige Mandalay mit all diesen Vorstellungen jedoch sehr wenig gemeinsam. Die Stadt ist mit ungefähr 1,6 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes und wirkt im Gegensatz zu Yangon aber eher Kleinstädtisch, ja sogar fast ländlich. Dies wird schon auf der Fahrt von Flughafen in die Stadt deutlich, die über lange, leere Straßen führt, vorbei an Feldern mit Wasserbüffeln und einfachen Hütten. Dann fährt man nach knapp 40 Minuten plötzlich durch die ersten Straßenzüge. Die Straßen in Mandalay sind schachbrettartig angeordnet und die Häuser eher neu, in einem kastenförmigen Stil gebaut. Insgesamt ist die Stadt recht auseinandergezogen, dazwischen immer wieder lange, auch mehrspurige Straßen. Ebenso entzerrt wirkt auch das alltägliche Leben, das man dort erlebt. Nur der alte Stadtkern um den Zegyo Markt ist wuselig, voll und laut, wie man das aus so vielen anderen asiatischen Städten kennt.

Downtown Mandalay

Ein Grund dafür mag an dem Boom liegen, den Mandalay seit 1990 an chinesischen Einwanderer erlebt hat, die mittlerweile fast 50% der Bevölkerung ausmachen und die somit maßgeblich zur Entwicklung und Veränderung des Stadtbildes beigetragen haben. Des Weiteren wurde und wird das Stadtzentrum immer wieder von verehrenden Feuern heimgesucht. Auch wir sahen die Gerippe großer verbrannter Gebäudekomplexe im Zentrum. Kolonialer Charme oder ein wirklich alter Stadtkern sind hier also kaum noch zu finden. Dennoch ist Mandalay eine besondere Stadt, mit so vielen beindruckenden Bauwerken, die sich als Einstieg für eine Myanmar Reise perfekt eignet.

 

Übernachten & Essen

Wir übernachteten in dem sehr ruhig gelegenen Triumph Hotel. Das Hotel besteht aus einer übersichtlichen Anzahl an einzelnen Häuserkomplexen, die in jeweils zwei Zimmereinheiten aufgeteilt sind. Die Zimmer sind großzügig und gemütlich, aber etwas abgelebt. Besonders, wenn man aus dem hypermodernen Bangkok kommt, fühlt man sich eher in die 1980er zurückversetzt. Auch die Lobby ist eher schlicht, aber dafür ist das Personal ist überaus freundlich sowie der funktionierende ATM in der Lobby sehr praktisch.

Die Anlage  wirkt insgesamt grün und idyllisch. Es gibt einen schönen Pool mit einem kleinen Kinderbecken. Beide waren fast immer menschenleer, so dass wir dort in aller Ruhe entspannen konnten. Im offenen Poolresteraunt wird morgens das Frühstück serviert, das in Ordnung, aber bei weitem nicht überwältigend war. Das Highlight war sicherlich die traditionelle Mohinga und das frische Obst. Generell war das Essen im Hotel verhältnismäßig teuer und auch nicht besonders ausgefallen. Dennoch haben wir aus Bequemlichkeit zweimal dort gegessen, da wir mit Tara nicht noch einmal den Weg in die Stadt auf uns nehmen wollten. 

Triumph Hotel

Wirklich empfehlen kann ich dagegen das Mingalabar Myanmar Restaurant, das tolle burmesische Küche anbietet, mit einer großen Auswahl an vegetarischen Gerichten. Das Restaurant selbst ist groß, geschäftig und doch gemütlich. Das Personal war sehr zuvorkommend und extrem kinderfreundlich. Besonders lecker waren die ausgefallenen Salate, frischen Säfte, das knackiges Gemüse und die schmackhafte Curries. Wir waren jedenfalls so begeistert, dass wir direkt zweimal dort essen waren.

Mingalabar Restaurant

Auch wenn wir die Preise angemessen fanden, sind sie für normale burmesische Verhältnisse natürlich sehr hoch, so dass sich das Publikum eher aus Touristen und besser verdienenden Burmesen zusammensetzt. Wirklich günstiges, authentisches burmesisches Essen findet man dagegen in jeder Straßenecke, in den Teehäusern oder an den Streetfood-Ständen. Dort haben wir besonders gerne Maispfannkuchen und frittiertes Gemüse gesnackt.

 

Mandalay erleben

Da Mandalay sehr dezentralisiert und aufgrund großer Straßen und winziger Gehwege auch nicht wirklich Fußgängerfreundlich ist, empfiehlt es sich einen eigenen Roller oder Fahrer zum Erkunden der zahlreichen Sehenswürdigkeiten zu mieten. Wir hatten mit Min Min (minmin.ngani@mail.ru) einen vertrauenswürdigen und auch gut englisch sprechenden Fahrer gefunden, der uns die gesamten Tage zuverlässig von A nach B kutschiert hat.

Zegyo Markt Mandalay

 

Königspalast (Fort Mandalay)

Der ehemalige Königspalast ist aufgrund seiner großen Mauern (8 Meter hoch) und des gewaltigen Grabens (über 6 Meter breit), der ihn umgibt nicht zu übersehen. Der historische Palast wurde im zweiten Weltkrieg zerstört wurde und erst Ende der 1990er Jahre von der Militärregierung mit Hilfe von Zwangsarbeit wieder aufgebaut. Auf dem großen Gelände selbst befinden sich auch noch zahlreiche Kasernengebäude, was den Besuch etwas bedrückend machte, da einem direkt die Rolle und Präsenz des Militärs in der Geschichte Myanmar in Erinnerung gerufen wird. Ich habe in mehreren Berichten gelesen, dass sich ein Besuch nicht lohnen würde, kann das aber nicht komplett unterstreichen. Die Anlage selbst wirkt tatsächlich recht trist, bzw. blättert der rote Lack auch teilweise schon wieder von den Gebäuden ab. Andererseits war es schon eine tolle Atmosphäre durch die fast menschenleeren Gebäudekomplexe zu laufen und den Blick von dem hohen Aussichtsturm zu genießen.

Mandalay Palace

 

Mandalay Hill

Der 240 Meter hohe Mandalay Hill gilt als heilig und ist mit zahllosen Pagoden und Klöstern übersäht. Auf der Spitze des Berges selbst befindet sich die farbenprächtige Sutaungpyei Pagode – was so viel wie bedeutet wie „die Wunscherfüllende“ – und ein grandioser Ausblick über Mandalay und die umliegenden Berge, bis nach Sagaing. Da der Berg heilig ist, darf man ihn nur ohne Schuhe betreten, das heißt, wenn man sich entschließt zu Fuß die überdachten Treppen hinaufzusteigen, muss man dies Barfuß tun. Alternativ kann man den Berg aber auch mit dem Auto oder Roller hochfahren und das letzte Stück sogar per Aufzug zurücklegen. Wir waren zum Sonnenuntergang vor Ort und die Stimmung, das Licht und der Ausblick waren einfach magisch. Auch waren, außer ein paar burmesischen Pärchen, die die romantische Stimmung genossen haben, kaum andere Menschen dort.

View from Mandalay Hill

 

Kuthodaw Pagode (Das größte Buch der Welt)

In der Kuthadaw Pagode wurde 1872 die einheitliche, buddhistische Lehrmeinung für Myanmar festgelegt. Diese wurde dann auf 729 Marmortafeln gemeißelt, die jeweils in einem kleinen, weißen Tempel stehen, die um eine goldene Stupa herum angeordnet sind. Auf Papier würde der Text mehr als 15.000 Seiten füllen. Daher hat die Pagode den Beinamen „Das größte Buch der Welt“. Die Anlage selbst wirkt jedoch weniger spektakulär, als der Name verspricht. Das Weiß ist nicht ganz so weiß, wie man das auf vielen der perfekt ausgeleuchteten Fotos sieht und auch hier sind überall Risse im Putz. Dadurch hat das Ganze aber einen sehr authentischen Charme, der für mich charakteristisch für Myanmar ist und es mit so einzigartig macht.

Kuthadaw Pagode

 

Shwenandaw Kyaung

Definitiv eines meiner Highlights: Das komplett aus Teakholz erbaute Gebäude stand bis 1880 als Königsgemach im Palast und ist damit das einzige original erhaltene Palastgebäude, das einem eine leichte Ahnung von der eigentlichen Pracht der Palastanalage gibt. Kurz vor unserem Besuch hatte es geregnet und so roch das gesamte Gebäude ganz wunderbar nach dem alten Teakholz. Das Holz fühlte sich warm und weich unter den bloßen Füßen an und die zahlreichen detaillierten Schnitzereien erzählten Geschichten aus längst vergangener Zeit.

Shwenandaw Kyaung

 

Atumashi Kyaung

Einen größeren Kontrast zum Shwenandaw Kyaung kann man sich kaum vorstellen. Das Originalgebäude wurde 1890 von einem Feuer zerstört und nun befindet sich dort eine moderne Pagode mit weißen Kacheln und allerlei Blingbling. Wir besuchte die Pagode im Dunkeln und wurden von funkelnden Neonlichtern, Lichterketten und gold-glitzernden Buddha Statuen empfangen. Auch war es hier erstmals richtig voll, zahlreiche burmesische Familien und Händler waren vor Ort. Es war ein reges, lebendiges Treiben. Im Vergleich dazu wirkten all die Tempel und Kloster, die wir davor gesehen hatten sehr friedlich und schlicht. Das hier war nun ein ganz, anderes aufregendes, pulsierendes Tempel-Erlebnis und somit eine gelungener Abschluss unserer ersten Entdeckungstour durch Mandalay.

Atumashi Kyaung

 

Mahamuni Pagode

Die Mahamuni Pagode ist eine der wichtigsten Pagoden des Landes, da sie eine riesige Buddha-Statue beherbergt, die bereits zu Buddhas Lebzeiten als sein Abbild angefertigt wurde. Sie befindet sich im Süden der Stadt an der Straße nach Amarapura, daher bietet es sich an den Besuch der Mahamuni Pagode mit einer Fahrt zur U-Bein Brücke zu verbinden. Von der Statue selbst ist aber nicht mehr viel zu erkennen, da sie tagtäglich von Gläubigen mit Blattgold beklebt wird und die Figur so längst unter unzähligen Schichten Gold versunken ist. Frauen ist der direkte Zugang zur Statue verboten.

Mahamuni Pagoda

Da auch Mann nur in die Nähe der Statue darf, wenn Mann etwas Blattgold zum Draufkleben dabei hat, macht es Sinn vorher in einem der Blattgoldbetriebe in der 37. Straße vorbei zu fahren. Dort bekommt man einen faszinierenden Einblick in die körperlich zehrenden Arbeitsprozesse, die in den Großteils noch vorindustriel arbeitenden Handwerksbetrieben in Myanmar vorherrschen. In stundenlanger, körperlich anstrengendster Arbeit hämmern hier muskulöse Handwerker auf Goldstückchen ein, die so nach und nach zu feinem Blattgold werden. Das gleichmäßige, laute Hämmern wirkt dabei wir eine monotone Choreografie. Aus unsrer hochtechnisierten Welt kommend, kann man kaum glauben, dass die Menschen wirklich tagtäglich dieser unglaublich kräftezehrenden Arbeit nachgehen und dies nicht nur ein Schau-Hämmern für interessierte Touristen ist.

Goldschläger Myanmar

 

Shoppen

In Myanmar findet man auf jedem Markt, aber auch an den Souvenirständen vor den Tempelanlagen, Großteils echte Handarbeit zu Spottpreisen, wie zum Beispiel wunderschöne Stoffe, Lackwaren oder Schnitzereien. In Mandalay bietet sich dafür insbesondere der Zegyo Markt, einer der größte Märkte des Landes, an. Der Markt ist nicht nur in einem riesigen, Labyrinth ähnlichen Gebäudekomplex untergebracht, sondern erstreckt sich auch über die umliegenden Straßen und Gassen. Während man im Gebäude Stoffe, Haushaltswaren, Schmuck etc. findet, erschließt sich draußen ein Gewirr aus Händlern, die Früchte, Gemüse, Fleisch, lebendige Tiere und Fisch in allen erdenklichen Zuständen (lebendig, zerlegt, getrocknet usw.) anbieten. Selbst wenn man nichts kaufen möchte, ist der Besuch auf dem Markt ein echte Erlebnis, das man auf keinen Fall verpassen sollte.

 

 

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