Cafe Atay Marrakech

Verzaubert von Marrakesch

 

Wir waren über Weihnachten 2016 in Marrakesch. Im Vorfeld habe ich von mehreren Seiten gehört, wie gut mir die Stadt gefallen würde. Wenn ich so etwas höre, bin ich ja immer skeptisch. Ich habe dann Angst mit total übersteigerten Erwartungen an einen Ort zu kommen und enttäuscht zu werden. Doch in Marrakesch war das Gegenteil der Fall: Die Stadt konnte meine hohen Erwartungen sogar noch übertreffen. Aber vermutlich liegt das daran, dass Marrakesch wirklich ein magischer Ort ist und schon immer war. Die Gegend war seit der frühsten Menschheitsgeschichte ein wichtiger Siedlungsraum, so dass die Wurzeln der Stadt bis in Jahr 1070 zurückreichen. Das mag auch an dem angenehmen Klima liegen, das in Marrakesch durch die Nähe zum Atlasgebirge das gesamte Jahr hindurch herrscht. Ich jedenfalls war einfach nur begeistert, aus dem kalten, grauen Deutschland in etwas über drei Flugstunden von Sonnenschein und angenehmen 20 Grad empfangen zu werden.

Sunset Marrakech

Gleichzeitig hat die gesamte Stadt eine unglaubliche Atmosphäre und Patina. Viele der bedeutenden Gebäude in und um die Medina, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, stammen noch aus der Gründungzeit Marrakeschs. Die berühmte Koutouiba Moschee, das Kasbah Viertel und die Stadtmauern aus rotem Sandstein stammen z.B. aus dem 12. Jahrhundert. Heutzutage ist Marrakech, mit etwas über 900.000 Einwohnern, zwar nur die viertgrößte Stadt Marokkos, aber in gewisser Weise immer noch das kulturelle Zentrum des Landes. Das zeigt sich auch an dem aktuellen Bauboom der um die Stadt herum wütet. Die Grundstückspreise steigen, ebenso wie die Touristenzahlen.

Doch Marrakesch war schon immer Hip. So war die Stadt in den 1960er und 1970er Jahren ein Anziehungspunkt für viele Künstler, Musiker und Filmemacher, wie zum Beispiel die Rolling Stones, William S. Burroughs, Paul Bowles oder Yves Saint Laurent, der dort viele Jahren verbrachte und den berühmten Jardin Majorelle vor dem Verfall bewahrte. Marrakesch hat damit unglaublich viel Geschichte, Atmosphäre und Kultur zu bieten, so dass uns die fünf Tage, die wir in der Stadt hatten, gerade mal ausreichten.

Ich hatte zuvor in einem Reiseführer gelesen, dass Marrakesch kein geeignetes Reiseziel für Familien mit Kindern sein, da die Stadt keine kinderfreundlichen Attraktionen bieten würde – was auch immer das heißen mag?  Tara hat sich in Marrakesch jedenfalls pudelwohl gefühlt, sich jedes Mal gefreut wenn eine Pferdekutsche an uns vorbeifuhr, Katzen gestreichelt und das Herumtollen auf den schönen Dachterrassen genossen. Ich bin ja sowieso der Meinung, dass jedes Reiseziel für Kinder spannend sein kann, dazu muss man nur die richtigen Ansatzpunkte und Perspektive entdecken.

Cats of Marrakech

 

Die Medina

In der Medina mit ihren verwinkelten Souks kann man sich von der orientalischen Architektur verzaubern lassen, von den Unmenge an farbenfrohen Waren zum Kaufen verführen lassen und durch das Labyrinth der kleinen Gassen treiben lassen, um schließlich auf einer der liebevoll eingerichteten Dachterrassen bei einem Minztee zur Ruhe zu kommen. Über 18 Souks, die sich jeweils auf eine Warengruppe spezialisiert haben, sind in der Medina zu finden. Ich hatte mehrfach gehört, dass man sich in den unzähligen, namenlosen Gassen leicht verlaufen könnte. Doch wir haben unser Ziel– dank GPS Karte im Handy – meist recht problemlos gefunden und ebenso leicht auch wieder aus der Medina heraus gefunden.

Marrakech Street

Da wir, dank unserer Tochter, meist recht früh morgens unterwegs waren, konnten wir die Gassen der Altstadt auch noch fast menschenleer genießen und miterleben wie die Wege der Souks gefegt wurden und die Frauen ihrem Tageseinkauf nachgingen, frisches  Gebäck in die Auslagen gelegt wurden und die Händler sich auf den Ansturm des Tages vorbereiteten. Dadurch war auch das Shoppen in der Medina sehr entspannt. Entweder lag es daran, dass die Händler noch die ruhigen Morgenstunden geniessen oder an der süßen Tara, die ich vor mir hertrug. Jedenfalls hat man nie versucht uns aggressiv zum Kaufen zu überreden und wir konnten immer einen für uns gefühlt guten Preis erhandeln.

Um eine gewisse Preissicherheit für die einzelnen Waren zu erhalten, besuchten wir ganz zum Anfang unserer Shopping Tour das Ensemble Artisanal, eine Art Souk in einem großen Riad mit Festpreisen. Das Gebäude, kurz vor den Mauern der Medina, besteht aus zahllosen kleinen Läden, die um einen schönen Innenhof angesiedelt sind. Die Preise dort sind vermutlich etwas teurer, als in den echten Souks, dafür muss man aber nicht handeln. Ich habe dort zu wirklich fairen Preisen tolle Bastkörbe und Babouches gekauft. Auch sehr empfehlen kann ich die tollen Produkte der Assous Argane ein kleiner Laden in der Medina, über den eine Frauenkooperative ihre Kosmetikprodukte aus Arganöl vertreibt. Insbesondere die Handcreme und schwarze Seife ist nicht nur wunderhübsch verpackt, sondern pflegt die Haut auch ganz traumhaft.

Marrakech mit Baby
Der prachtvolle Eingang zum Ensemble Artisanal

Unbedingt sehenswert ist in der Medina neben den Souks die wunderschöne Medersa Ben Youssef, eine Koranschule aus dem 16. Jhd.  Besonders der kunstvoll verzierte Innenhof und die schnörklig geschnitzten Fensterrahmen sind eine Augenweide. Auch das Maison de la Photographie mit seiner schönen Dachterrasse ist ein Besuch wert. In dem schönen, renovierten Funduq kann man kunstvolle, schwarz-weiß Photographien aus Marrakech betrachten.

Der Weg in die Medina führt meist an der Koutoubia Moschee und dem Djeema el Fna vorbei. Die Koutoubia Moschee ist die größte und älteste Moschee Marrakeschs und das Wahrzeichen der Stadt. Von dort gelangt man schnell über den berühmten Djeema el Fna in die Souks der Altstadt. Der Djeema el Fna ist einer der geschäftigsten Plätze in Afrika, voller skurriler Gestalten, Affendresseure, Gaukler, Geschichtenerzähler und unzähliger Essensstände. Ich konnte in vielen Ecken scheinbar typisches entdecken, teils empfand ich die gesamte Atmosphäre aber auch als etwas zu inszeniert.

Marrakech La Place

 

Jardin Majorelle

Ganz weit oben auf meiner Sehen-Wollen-Liste für Marrakesch stand der wunderschöne Jardin Majorelle, der sich in der Neustadt befindet. Das Farbenspiel aus dem Grün der Pflanzen mit dem Blau und Gelb der Gebäude ist einfach ein Traum. Auf jeden Fall sollte man auch einen Blick in das Berber Museum werfen, das sich ebenfalls auf dem Gelände befindet. Dort sind prachtvoll inszenierte Kleidung und Schmuck der Berber Stämme ausgestellt. Leider war die Anlage selbst früh morgens schon sehr voll und auch der Eintrittspreis von 7€ ist für den kleinen Garten recht ambitioniert.

Direkt neben dem Garten befinden sich einige überteuerte Cafés und der mit horrenden Preisen protzende Concept Store 33 Rue Majorelle. Mein Tipp: Besser den Hunger und Durst sowie die Shoppinglust in der Altstadt stillen.

 

Das Kashba Viertel

Ein weiteres Highlight ist das Kashba Viertel, eine separate Festungsanlage innerhalb der Medina, in der früher die Familien der höheren Staatsbeamten und Militärs lebten. Die hohen, roten Mauern, mit den typischen Gebäude und kleinen Läden des Viertels wirken wie aus einer Filmkulisse und so ganz anders als die geschäftigen  Souks der Medina.

Kashba

Die Kashba betritt am besten durch das prachtvolle Stadttor, Bab Agnaou. Mit etwas Glück kann man dort auch einige nistende Storchenpärchen beobachten. Direkt neben der eindrucksvollen Kashba Moschee befindet sich dann der Eingang zu den saadischen Gräber, ein kleiner Friedhof auf dem sich 66 Gräber der saadischen Familie befinden, die zwischen  1524 -1668 über Marrakesch herrschten. Ich fand die kleine Anlage sehr idyllisch und für 10 DH Eintritt auf jeden Fall sehenswert.

Bab Agnaou

An die Kashba angrenzend liegt das jüdische Viertel, die Mellah, das ebenfalls zu einem spannenden Spaziergang einlädt. Von dort gelangt man zum El Badi Palast aus dem 16. Jahrhundert. Leider ist von dem einst prächtigen Palast lediglich eine Ruine übrig geblieben, so dass man hier nur noch über die ungeheuren Ausmaße staunen und die tolle Aussicht von den Terrassen genießen kann. Abenteuerlustige können auch die Katakomben erkunden. Für 10 DH Eintritt (ca. 1 EUR) ist die Anlage auf jeden Fall einen kurzen Abstecher wert.

El Badi Palace

Wirklich umwerfend, spektakulär ist dagegen der Palais de la Bahia. Ein unbedingtes Muss! Das weitläufig, verwinkelte Gebäude wurde im 19 Jahrhundert vom Großvisier Si Ahmed ben Musa erbaut. Es sollte der prachtvollste Palast seiner Zeit werden und die Essenz der islamischen Kunst einfangen. Der Name bedeutet daher auch so viel wie „die Glanzvolle“ – und das ist die gesamte Anlage wirklich. Zwischen üppigen Blüten und Bäumen lassen sich immer wieder neue, ausschweifend verzierte Wände, Fußböden oder Fensterelemente entdecken. Ich wusste kaum, wo ich hinschauen sollte. Überall fingen mein Augen verspielte Ornamente und üppige Details ein. Tara hatte ebenfalls viel Spaß durch die verschachtelten Räume zu laufen. Wenn uns nicht der Hunger geplagt hätte, wären wir sicherlich noch viel länger an diesem magischen Ort geblieben.

 

Essen in Marrakesch

In der Medina findet man an jeder Ecke tolle Cafés und Restaurants. Die meisten haben eine Dachterrasse oder Balkon, von wo man das umwerfende Panorama der Medina mit dem schneebedeckten Atlasgebirge bewundern kann. Und natürlich bekommt man dort überall köstlichen Minztee (oft mit Grüntee und viel Zucker zubereitet) und frischen Orangensaft. Hier meine Tipps:

Atay – Das Atay ist mein absoluter Favorit und  liegt zentral in der Medina, in Nähe der Medersa Ben Youssef. Uns hat direkt der fröhliche Kontrast aus weißen Wänden und knallbunten Bilder und Kissen angesprochen, so dass wir kurzentschlossen die vier Stockwerke nach oben zur Dachterrasse geklettert sind. Von dort hat man einen tollen Blick auf das gesamte Viertel – und die Tajine, der Humus und der Minztee waren einfach zum Niederknien lecker.

Dinner Atay Marrakech

 

Cafe Kessabine – Das Café Kessabine liegt am Rande des Djeema el Fna. Die sauberen, gemütlich eingerichteten Räume laden zum Verweilen ein und bieten einen entspannten Blick auf den Trubel des Platzes. Das Essen ist lecker und der Service sehr zuvorkommend.

Djeema el Fna
Blick vom Cafe Kessabine auf den Djeema el Fna

Café Kashba – Das Café Kashba liegt direkt gegenüber der Kashba Moschee und ist damit bei vielen Touristen ein beliebter Ruhepole. Daher sind die Preise hier vielleicht etwas höher als anderswo. Dafür hat man von der großen Dachterrasse einen wirklich schönen Blick auf die Moschee und über die Qualität von Essen sowie Getränken lässt sich auch nicht streiten.

 

Übernachten

Die Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten in Marrakesch ist überwältigend: Vom Boutique Hotel, bis zum typischen Riad in der Altstadt. Die Entscheidung fiel uns so schwer, dass wir uns  entschlossen, trotz der wenigen Zeit die wir hatten, das Hotel zu wechseln. Beide Hotels lagen recht nah beieinander, außerhalb der geschäftigen Medina, in der ruhigen Hivernage. Eine gute Entscheidung, da wir ja mit einem Kleinkind unterwegs waren und uns so aus dem Trubel der Altstadt zurückziehen konnten. Ein weitere Vorteil war, dass die moderne Menara Mall direkt um die Ecke lag, wo wir sämtliche Notwendigkeiten für Tara, wie Windeln, Apfelbrei und Feuchttücher kaufen konnten.

Dar Rhizlane –  Ein so liebevoll und detailreich eingerichtetes kleines Hotel, wie ich es selten erlebt habe. Die Zimmer scheinen einem Märchen aus 1.001 Nacht entsprungen zu sein – und der üppige, ornamenthaft angelegte Garten mit beheiztem Pool ist schlicht ein Traum! Der Service war extrem freundlich und zuvorkommend und auch das Essen konnte uns vollkommen überzeugen. Wenn auch nicht so günstig wie in der Medina, waren die Portionen dafür riesig und auf den Punkt zubereitet.

Savoy Le Grand Hotel – Ohne Kind wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen, ein Hotel wie das Savoy zu buchen, aber der Indoor-Pool und die riesigen Zimmer waren dann doch ein überzeugendes Argument. Wenn Tara nicht krank geworden wäre, hätte sie sicher jeden Tag vergnügt im warmen Indoor Pool geplantscht. So konnten wir ‚nur‘ den Vorzug des über 40qm großen Zimmers, das riesige Frühstücksbuffet und den grandiosen Blick von unserem Balkon auf das Atlasgebirge genießen.

Marrakech Flowers

Mein Fazit: Marrakesch ist unbedingt, uneingeschränkt empfehlenswert und vor allen Dingen im Winter ein Traumziel, um dem tristen, deutschen Grau zu entfliehen.

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