Windmill Rhodos Harbour

Rhodos – Eine positive Überraschung

Wir waren im Mai 2017 für eine Woche auf Rhodos. Dabei sollte dies eigentlich ein Bericht über Tel Aviv, Jordanien oder Lissabon sein, aber die Ziele waren uns entweder zu teuer oder dem Mann, der gerne entspannen wollte, zu stressig. Also einigten wir uns irgendwie auf Rhodos, weil günstig und warm. Rhodos ist die viertgrößte Insel Griechenlands und eine der sonnigsten Regionen Europas. Der Hauptwirtschaftszweig der Insel ist der Tourismus. Von Faliraki aus ist fast die gesamte Westküste bis zum Flughafen zugepflastert mit Hotels, Bars und Souvenirläden. Ich stellte mich also auf einen langweiligen Strandurlaub mit unspektakulärem Essen ein – und wurde vom Charme der Insel letztendlich positiv überrascht.

Rhodes Greece Shadows

Um möglichst viel von der Insel zu sehen und uns gleichzeitig lange Fahrtstrecken mit Tara zu ersparen, hatten wir uns entschieden in zwei unterschiedlichen Hotels am jeweils anderen Ende der Insel zu übernachten. Zur Fortbewgung hatten wird uns direkt am Flughafen ein Auto gemietet, einen niedlichen Fiat Panda, mit dem wir über die meist leeren Straßen der Insel gedüst sind.

Southern Rhodos

Der Süden

Das erste Hotel war das Atrium Prestige Thalasso & Spa das sich bei Lachania befindet und damit ein bisschen im touristischen Niemandsland, fast am Ende der Insel, liegt. Das Hotel selbst ist traumhaft in die fast unberührte Natur und Weite der Landschaft eingebettet und wirkte alleine dadurch wie eine Oase der Ruhe. Die schöne, gepflegte Hotelanlage kann mit einer tollen Poollandschaft, großen Zimmern und extrem zuvorkommenden Personal überzeugen. Zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts war es dort sehr ruhig, so dass wir das Meer und das große Frühstücksbuffet teilweise für uns alleine hatten. Sehr überrascht hat mich auch, dass man neben Sekt sogar Soja- und Mandelmilch zur Verfügung hatte und sich so problemlos ein leckeres veganes Frühstück zusammenstellen konnte.

Atrium Prestige Hotel Rhodos

Die Auswahl an Restaurants in der Umgebung ist zwar nicht besonders groß, jedoch kann man im nahegelegenen Dörfchen Lachania einige nette Tavernen finden. Wir bevorzugten jedoch das Fish Restaurant Plimmiri am Meer. Dort gab es einen umwerfend großen und leckeren Salat, frische handgemachte Pommes für Tara und wer es mag kann dort natürlich auch frischesten Fisch essen. Hinter dem Restaurant liegt eine alte Kirche und auch der kleine Hafen mit dem weiten Sandstrand lädt zum entspannten Verweilen ein.

Plimmiri Harbour
Der Hafen von Plimmiri

Von unserem ersten Hotel aus unternahmen wir unter anderem einen Ausflug nach Prasonisi. Das ist eine Halbinsel, die über eine Sandbank mit Rhodos verbunden ist. Aufgrund der Wind- und Wellenverhältnisse ist der Ort bei (Kite-)Surfern sehr beliebt. Wir haben eine ganze Weile in den kleinen Dünen gesessen und das wilde Treiben auf dem Meer beobachtet.

Kite Surfer Rhodos

Aber auch Lindos war nicht weit von unserem ersten Hotel entfernt. Lindos ist ein hübsches, herausgeputztes Dorf mit viel Geschichte und einer der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Insel – die Akropolis von Lindos. Die haben wir jedoch ausgelassen, da wir einerseits den Eintritt von 12 Euro pro Person recht überzogen fanden und andererseits vor den drohenden Gewitterwolken lieber in die Stadt geflüchtet sind. Aber auch die Stadt selbst ist wirklich sehr sehenswert und war zu meiner Überraschung gar nicht so sehr von Touristen überlaufen, wie ich es befürchtet hatte. Die zahlreichen Kapitänshäuser und kleinen Gassen sind wunderschöne Fotomotive und die Marienkirche mit ihren düsteren Fresken (in der man leider nicht fotografieren darf) ist auch einen Besuch wert. Erwähnenswert finde ich auch, dass man zwischen den zahllosen Souvenirläden tatsächlich einige coole Shops finden kann, die moderne, hochwertige Produkte aus Griechenland anbieten.

Eine weitere Augenweide ist die wunderschöne St. Pauls Bucht, direkt unterhalb der Akropolis. Wir hatten zwar keine Badesachen dabei, aber der Ausblick auf das tolle Blau des Wassers eingebettet in die dramatischen Felsen war schon großartig genug.

 

Faliraki

Unser zweites Hotel war das Kouros Exclusive und lag in Faliraki, dem Touristen-Epizentrum von Rhodos. Faliraki kann und sollte man eigentlich meiden: Eine furchtbar verbaute Stadt, die 1970 noch ein kleines Fischerdorf war. Ich habe irgendwo gelesen, Faliraki sei das Las Vegas oder auch der Ballermann von Rhodos. Beides trifft nicht wirklich zu. Zwar reihen sich hier Hotelbunker an Hotelbunker an Bar, an Stripclub, an Dönerbude usw. doch gleichzeitig wirkte die gesamte Amüsiermeile zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts wie ausgestorben – also eher wie Reno nach der Zombie-Invasion. Absolut nicht sehenswert!

Zum Glück lag unser extrem schönes Boutique Hotel ganz am Rande der Stadt, in der Nähe eines ruhigen Strandabschnittes (und des örtlichen FKK Strandes). Das Kouros Exclusive ist sehr modern, individuell und liebevoll eingerichtet. Die tolle Außenanlage hat einen großen Pool und ein sehr gutes Restaurant, das sich deutlich von dem Fast-Food Angebot in Faliraki abhebt. Aber auch das Frühstück hat mich richtig begeistert. Es gab viele frisch gebackene Kuchen, herzhafte Pies, Cookies, selbstgemachte Marmeladen, Avocado-Bagels, frischen O-Saft und Kaffee satt. Ganz toll! Wir haben uns dort wirklich sehr wohl gefühlt und so den anfänglichen Schock über Faliraki schnell verdaut.

Von Faliraki aus haben wir einen Ausflug zum Schmetterlingstal gemacht. Dort kann man von Juni bis August eine große Zahl einer bestimmten Schmetterlingsart antreffen, die vom Harzgeruch der Amberbäume die in diesem Tal vorkommen, angelockt werden. Leider waren die Schmetterlingen noch verpuppt, so dass wir nur einen viel zu langen Spaziergang durch die eingezäunte Natur gemacht haben. Blöderweise hatten wir die Trage vergessen und konnten den Buggy nicht mitnehmen, da der Weg hauptsächlich aus Steigungen und Stufen bestand. Dafür hatten wir aber ein Kind, das keine Lust zu Laufen hatte. Freude! Insgesamt war der Ausflug ebenso unspektakulär, wie die Pasta, die wir anschließend im zugehörigen Restaurant gegessen haben. Ich habe im Nachhinein außerdem erfahren, dass die Schmetterlingspopulation in den letzten Jahren aufgrund der vielen Touristen extrem zurückgegangen ist. Daher kann ich das Schmetterlingstal nicht wirklich empfehlen.

Butterfly Valley Rhodos

Nicht weit entfernt von Faliraki liegt Rhodos Stadt, das mit dem großen Hafen und der imposanten Altstadt wirklich sehr sehenswert ist. Wir haben uns eine ganze Weile einfach nur durch die kleinen Straßen der Altstadt treiben lassen, bis wir in dem tollen vegetarisch / veganen Restaurant To Manoulia zu Abend gegessen haben. Das Restaurant ist wirklich eine uneingeschränkte Empfehlung: Der Service ist unglaublich herzlich, das Essen köstlich und die Preise sehr günstig.

Ein Highlight an unserem letzten Tag waren die wunderschönen Thermen von Kalithea, die rekonstruiert und seit 2007 wieder eröffnet wurden. Ich hatte nicht viel erwartet und war dann von dem kunstvoll angelegten Garten und den dezenten Gebäuden mit wunderschönen Bodenmosaiken begeistert. Durch die Anlage gelangt man direkt in eine Bucht mit einer tollen Strandbar: Eine große Anzahl bequemer Liegen, entspannte Musik, ein Steg aus Holz über den man direkt ins Meer springen kann. So stelle ich mir Urlaub vor! Hier kann man gut einen ganzen Tag verbringen. Leider hatten wir keine Badesachen dabei, da wir nicht genau wussten, was uns erwarten würde und so konnte wir bei einem Eiskaffee leider nur die Füße ins Meer halten und die herrliche Aussicht genießen.

 

Mein Fazit: Zu meinem eigenen Erstaunen kann ich Rhodos definitiv empfehlen, wenn man für ein entspanntes Budget eine Woche Sonne, Meer und Landschaft genießen möchte.

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