Bali Nature

Ubud – Eine Haßliebe

Ubud liegt knapp 30 km nordöstlich von Denpasar und gilt als das kulturelle Zentrum Balis, in dessen Umkreis Malerei, Textilkunst und traditionelle Holzschnitzereien angesiedelt sind. In der Stadt leben ca. 34.000 Einwohner und gefühlt drei mal so viele Touristen. Seit dem Erscheinen von Elizabeth Gilberts Roman “Eat, Pray, Love” ist der Tourismus dort explodiert und aus dem kleinen Künstler-Dorf eine Tourismus-Maschine geworden. Reisfelder werden zu Luxus-Hotelanlagen umgebaut, australische Burger-Läden reihen sich an Rohkost-Restaurants und der endlose Verkehr, für den die engen Straßen einfach nicht ausgerichtet sind, kommt täglich mehrfach zum Erliegen. Für wenige Kilometer braucht man mit dem Auto dann fast eine Stunde. Daher ist man besser beraten auf Roller oder Motorrad umzusteigen, bzw. sich auf die eigenen Füße zu verlassen und durch den Smog zu laufen.

Ubud Traffic

Überall in den Sozialen Netzwerken wird Bali momentan als das Fernreise-Mekka und Ubud als der heilige Gral aller Yoga-Freaks und Sinnsuchenden angepriesen. Daher wird der Hype um Ubud auch in nächster Zeit nicht nachlassen.

Ich selbst war das erste Mal 2014 in Ubud und habe es nicht in bester Erinnerung behalten. Ich fand die Stadt von Touristen und schlechter Luft verseucht, laut und insgesamt vollkommen überbewertet. Eine der wichtigsten Erfahrungen aus all meinen Reisen ist sowieso, dass man die besonderen Momente meist nicht dort findet, wo sich Massen anderer Touristen tummeln. Dennoch ließ mich der Gedanke an Ubud irgendwie nicht los und so entschlossen wir uns, Ubud eine zweite Chance zu geben. Anfang Juni 2016 verbrachten wir dort 5 Tage.

Um mein Fazit direkt vorweg zu nehmen: Mich verbindet weiterhin eine Hass-Liebe mit Ubud. Ich finde die Stadt stellenweise immer noch zu voll, laut und viel zu touristisch. Gleichzeitig hatten wir nun aber die Gelegenheit die etwas ruhigeren, ursprünglicheren Orte um und auch in Ubud zu entdecken. Dabei hat es sehr geholfen, dass wir eine Unterkunft etwas außerhalb des Zentrums ausgewählt haben. Wir übernachteten in Nyuh Kuning einem kleinen Dorf, das an Ubud, unterhalb des Monkey Forrests, angrenzt. Wir hatten dort eine wunderschöne AirBnB Unterkunft, die zauberhaft eingerichtet war. Jeden Morgen konnten wir von unserer Terrasse aus die Sonne über die benachbarten Reisfelder aufgehen sehen und den Tag mit einem erfrischendem Bad in dem traumhaften Pool des Gartens genießen.

Nyuh Kuning ist ein sehr familiäres, ruhiges Dorf. Dort bekommt man nichts von dem Verkehrslärm und Trubel mit der in Ubud tobt, nur die Frösche und Grillen, die sich in den Reisfeldern tummelten. Das Zentrum des Dorfes bilden ein kleiner Tempel und ein gegenüberliegender Fußballplatz. Die meist leeren Straßen sind gesäumt von wunderschön gepflegten Häusern und Gärten. Gleichzeitig findet man dort aber auch eine gute Auswahl an kleinen Restaurants, wie zum Beispiel das Almond Cafe oder das Beloved Earth Café. Windeln und alles andere, was wir zum täglichen Überleben brauchten, haben wir in dem riesigen Coco Supermarket in Ubud auf der Jl. Hanoman gekauft.

Gleichzeitig findet sich in Nyuh Kuning auch eine schöne Auswahl an Yoga Studios, die bei weitem nicht so überlaufen sind, wie die gehypten Studios im Zentrum Ubuds. So bieten die Swasti Ecco Cottages zum Beispiel schöne Yogastunden an, aber auch das familiäre Taman Hati Yoga Studio ist sehr zu empfehlen. Erst kürzlich hat dort außerdem das große Ubud Yoga Center eröffnet. Leider war es zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts noch nicht offen, so dass ich beim Vorbeifahren nur das spektakuläre Gebäude bewundern konnte. Ich habe bisher viel positives über das Yoga Center gelesen. Also wenn ihr zufällig in Ubud seid, geht doch mal hin und berichtet mir.

 

Wie ich Ubud lieben lernte

Einer der wertvollste Ratschläge, um Ubud entspannt erleben zu können, ist sicherlich sich aus dem Zentrum des Trubels (insbesondere die Jalan Monkey Forest und Jalan Hanoman) fern zu halten und statt dessen die sehr reizvolle, üppig grüne Umgebung zu erkunden. Dafür reicht es meist schon, wenige Schritte von den Hauptstraßen abzuweichen, um sich plötzlich inmitten friedlicher Reisfelder wiederzufinden. So zum Beispiel in der Gegend um die Jl. Raya Penestanan (nahe Alchemy), die ich sehr empfehlen kann, wenn ihr auf der Suche nach einer Unterkunft seid. Dort seid ihr nahe genug am Zentrum und doch weit genug weg, um die Natur genießen zu können.

Ricefields near Ubud

Mein zweit wichtigster Tipp für alle Sehenswürdigkeiten in und um Ubud ist, möglichst früh aufzubrechen, um diese vor den Strömen all der anderen Touristen erleben zu können. Wie zum Beispiel die Wanderung auf dem Campuan-Kamm. Der Weg startet direkt unterhalb der Brücke an der Jalan Raya Ubud, bei dem schönen Pura Gunung Lebah Tempel.

Campuan Ridge Walk
Der Campuan Kamm

Ganz das Gegenteil von ruhig und entspannt ist dagegen der Scared Monkey Forest. In dem großen Park befinden sich einige schöne Tempel durch die zahllose Makaken toben. Haltet am besten respektvollen Abstand zu den Tieren, da sie durch die große Anzahl überdrehter Touristen leicht aggressiv reagieren. Da wir, um nach Ubud zu gelangen, jedes Mal um den Monkey Forest herumlaufen mussten und so mehr als genug von dem Affentheater mitbekamen, haben wir uns den Besuch des Parks dieses Mal erspart.

Ubud Mural
Mural in UBud mit Szenen aus dem Moneky Forest

Außerhalb von Ubud gibt es unzählige spannende Ort, die man in kurzer Zeit erreichen kann. Ungefähr 30 Minuten von Ubud entfernt liegt so zum Beispiel der Tegenungan Wasserfall in Gianyar. Wir waren leider erst gegen 11 Uhr vor Ort, so dass der Parkplatz und die umliegenden Cafés und Souvenirshops schon ziemlich voll waren. Nachdem wir den Eintritt von 10.000 IDR pro Person gezahlt hatten, ging es die großen steinigen Stufen hinab zum Fluss. Dort befinden sich auf der einen Seite heilige Quellen, auf der anderen Seiten geht es zum Wasserfall, den man schon von weitem tosen hört. In der Nähe des Wasserfalls befindet sich ein weiterer Souvenirshop, der gegen eine kleine Gebühr auch Umkleide- und Duschmöglichkeiten anbietet. Am Wasserfall selbst ist dann eine mega Gaudi, besonders wenn sich einige Mutige direkt von oben in die eiskalten Fluten stürzten.

Ein weiteres Highlight in der Umgebung Ubuds ist Goa Gajah, die Elefantengrotte, die seit 1995 als UNESCO Weltkulturerbe geführt wird. Der große Parkplatz ist randvoll mit Verkaufsständen, wo einem hauptsächlich überteuerte Sarongs angedreht werden. Dabei ist im Eintrittspreis von ca. 20.000 IDR bereits ein Leih-Sarong enthalten. Ebenso voll ist dann die Anlage selbst, die man über einen kleinen schattigen Weg erreicht. Auf dem weitläufigen Gelände befindet sich, neben der sagenumwobenen Höhle, ein großes Badebecken sowie weitere kleinere Tempelanlagen, die sich harmonisch ins wilde Grün der Natur einbetten.

Ebenso voll und geschäftig ist der Wassertempel Tirta Empul. Aber auch dieses Heiligtum sollte man auf keinen Fall auslassen, denn im Gegensatz zu der etwas beklemmenden Atmosphäre in der Elefantenhöhle, herrscht hier eine unglaublich fröhliche Stimmung. Die gläubigen Balinesen kommen hierher, um sich im heiligen Wasser zu reinigen und von Sorgen oder Krankheiten zu befreien. Dazu stellt man sich links an und durchläuft der Reihe nach jeden Brunnen. Auch als Tourist kann man in die Becken steigen. Dazu muss man jedoch einen eigenen Sarong mitbringen, da man mit den Leih-Sarongs, die man auch hier mit dem Eintritt erhält, leider nicht ins Wasser darf. Es war aber genauso viel Spaß den Kindern dabei zuzusehen, wie sie sich mit Wasser vollspritzen, um sich im nächsten Moment andachtsvoll mit dem heiligen Wasser zu reinigen.

Tirta Empul

Hinter den Becken befindet sich ein großer Tempelbereich mit der Quelle, aus der das Wasser wunderschön türkis sprudelt. Auf dem Rückweg zum Parkplatz wird man dann leider wieder an zahllosen Souvenirläden vorbei gelotst, was ich als relativ ernüchternd empfand. Aber wenn man das weiß und darauf eingestellt ist – einfach Augen zu und durch.

 

Ein weiteres Highlight ist sicherlich ein Spaziergang durch die spektakulären Reisterrassen. Diese sind im Umkreis von Ubud überall zu finden. Besonders touristisch, aber auch besonders fotogen ist die Gegend um Tegalalang und Jatiluwih. Auch Kinder können dort viel in der Natur entdecken und staunen. So aber auch in dem schönen Kemenuh Butterfly Park. Tara waren die großen Schmetterlinge zwar noch etwas unheimlich, trotzdem war sie vollkommen fasziniert und beobachtete die bunt, schillernden Insekten hochkonzentriert.

 

Yoga in Ubud

Neben all den mystischen Tempeln und der berauschend Natur, findet man in Ubud ein schier überwältigendes Angebot an Yoga-Studios, Heilern, Massagen und gesundem Essen. Es scheint, als hätte sich Ubud zum Mekka für alle Sinnsuchenden, Yogafreaks und Esojunkies entwickelt. Ich weiß genau, dass ich mich vor ein paar Jahren – ohne Kind – auch noch voller Vergnügen in diesen Wahnsinn gestürzt hätte und an ekstatischen Tanzsessions oder Kakao-Zeremonien teilgenommen hätte. Mit Kind wird man aber zwangsläufig etwas geerdeter und pragmatischer. So habe ich zwar die Stimmung, das tolle Essen und das unglaubliche Angebot an Yoga-Stunden sehr genossen. Gleichzeitig frage ich mich, warum man unbedingt nach Bali, bzw. Ubud fahren muss um sich selbst finden, sich gesund zu ernähren und täglich Yoga zu praktizieren? Nur weil ich meine Umgebung verändere, heißt das ja nicht zwangsläufig, dass auch ich mich selbst verändere. Außerdem stehen uns zu Hause ja auch alle Möglichkeiten offen, ein erfülltes Leben voller Yoga und gesunder Ernährung zu führen – wenn man das wirklich möchte.

Yoga in Ubud

Nichtdestotrotz gibt es hier nun meine Auswahl an Yoga Studio, die ich euch ans Herz legen möchte: Die größten und angesagtesten Yoga-Studio in Ubud sind momentan das Radiantly Alive und natürlich der Yoga Barn. Aber Achtung: Die Kurse dort sind oft sehr voll, mit bis zu 60 Leuten und somit nichts für absolute Anfänger. Die Vielzahl der kleineren Studios, insbesondere wenn diese etwas außerhalb gelegen sind, bieten zwar nicht eine so große Auswahl an Kursen an, dafür aber eine wesentlich persönlichere, entspannter Atmosphäre, wie zum Beispiel die oben benannten Studios in Nyuh Kuning. Gleichzeitig konnte ich teilweise mehr Achtsamkeit und Spiritualität beim morgendlichen Yoga auf der Terrasse unseres AirBnB mit Blick auf die Reisfelder erleben, als in irgendeiner überfüllten Yoga Klasse.

 

 

Essen in Ubud

Was ich an Ubud, neben all der Schönheit, dem Wahnsinn, den Gerüchen, dem Trubel, dem Verkehr und der Natur aber am allermeisten Vermisse, ist das sensationell großartige Essen. Hier meine Favoriten:

The Elephant – Das 100% vegetarische, großteils vegane Essen ist einfach nur ein Genuss. Ein Traum ist aber auch die Aussicht auf die umliegenden Reisfelder.

The Elephant Ubud

Alchemy – Das Alchemy ist mein Futter-Himmel. Ich habe noch nie zuvor so köstliche Salate, Sommerrollen und Smoothies verschlingen dürfen. Und erst die rohen Torten: Ein Foodgasmus! Dazu super freundliches, engagiertes Personal und offene, große Räumlichkeiten die einen modern-cleanen Look haben und dennoch zum Entspannen einladen. Außerdem gibt es eine schöne Auswahl an Kosmetikprodukten, Ölen, Müslis und Yogamatten zu kaufen, also alles was das Öko-Yogi-Herz entzückt.

Kafe – Das Kafe liegt mitten in Ubud, in der Jl. Hanoman, eingebettet zwischen diversen Yoga-Shops. Die Räumlichkeiten sind gemütlich eingerichtet, jedoch ist es hier aufgrund der geschlossenen Räume etwas wärmer und stickiger. Also am besten einen Platz in der Nähe eines Ventilators suchen. Das Essen und die Getränke sind super lecker, alles bio und es gibt eine große Auswahl an veganen / vegetarischen Gerichten.

Warung Laba-Laba  (Jl. Hanoman No.49) – Unbedingt möchte ich euch auch das Warung Laba-Laba ans Herz legen. Das kleine Warung ist super liebevoll eingerichtet und das Essen ist extrem authentisch und lecker. Durch die offenen Räume sitzt man hier sehr angenehm und kann so das Treiben auf der  Jl. Hanoman beobachten. Auch für Vegetarier und Veganer gibt es genügend Optionen auf der Speisekarte.

Warung Laba-Laba

 

Meine Tipps, um Ubud zu überleben

Ihr solltet die Hauptstraßen während der Rush Hour meiden. Hier droht sonst Erstickungsalarm. Ein noch größerer Fehler ist es mit dem Auto zur Rush Hour durch die Stadt zu fahren. Die viel zu engen Straßen sind für die vielen Touristen und Fahrzeuge einfach nicht ausgerichtet, so dass es täglich zu Staus kommt. Nichts geht dann mehr, so dass man sich nur noch zu Fuß oder mit dem Motorrad fortbewegen kann.

Ubud Jungle Street

Ubud ist Shopping-Himmel und Hölle zugleich. Entlang der beiden Hauptstraßen, der Jalan Monkey Forest und der Jalan Hanoman, reiht sich ein Souvenirladen an den anderen. Vom Flaschenöffner in Penisform, über Blechvögel, Modeschmuck, T-Shirts mit Bierlogos, bis zu Kunsthandwerk und coolen Yoga-Klamotten findet sich hier wirklich alles. Insgesamt gibt es aber viele der Läden auch in anderen Touristen Zentren Balis, wie z. B.  Sanur oder Seminyak, nur dass die Produkte dort oft um einiges günstiger sind. Für Yogis finden sich entlang der Jalan Hanoman einige schöne Läden, auch geht es dort generell ruhiger zu als in der lauten Jalan Monkey Forest. Allgemein gibt es in und um Ubud herum super viele Geschäfte, die tolles Kunsthandwerk anbieten. Zahlreiche Dörfer haben sich auf die Produktion von Schnitzerein (Mas), Schmuck oder Malerei (Batuan) spezialisiert. Hier werden täglich Massen an Touristen durchgeschleift, so dass dort Großteils für einen Massengeschmack produziert wird. Andererseits gilt natürlich auch hier, dass Qualität ihren Preis hat. Das heißt man muss schon extremes Glück oder großes Geschick im Handeln haben, um hier ein echtes Schnäppchen zu erstehen. Wesentlich spannender fand ich dagegen die etwas abseits gelegenen Dörfer. So fuhren wir zum Beispiel durch das Dorf Pakudui, in dem wundervoll farbenfrohe Garuda Figuren geschnitzt wurden, die aber leider allesamt für unser Gepäck und unsere Wohnung viel zu groß gewesen wären.

Rice Fields Bali

 

Warst Du schon einmal in Ubud? Wie fandest Du es dort: Toll oder zu voll? Was sind Deine Tipps für UBud und Umgebung?

 

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