Vang Vieng City

Vang Vieng – Hin & Weg

Vang Vieng ist ein kleines, verbautes – um ehrlich zu sein hässliches – Städtchen, dass in unglaublich idyllischer Postkarten-Szenerie zwischen Karstgebierge am Mekong liegt. Auch wenn Vang Vieng seit 2012 die richtig wilden Partytage hinter sich gelassen hat, ist die Stadt immer noch vornehmlich auf junge, feierfreudige Backpacker mit wenig Budget eingestellt. Das spiegelt sich auch in der Qualität der Hotels, Restaurants und all den anderen Dienstleistungen wieder, die vor Ort angeboten werden.

Vang Vieng Riverside

Für Reisende ohne Baby hat Vang Vieng sicherlich einiges an Outdoor-Aktivitäten und Party-Locations zu bieten und ich hätte in meiner Reisezeit ohne Tara dort garantiert  jede Menge Spaß gehabt; mit Tara war die Stadt für uns aber hauptsächlich eine Zwischenstation auf dem Weg von Luang Prabang nach Vientiane. Wir haben im Riverside Boutique Resort übernachtet, mit zuvorkommendem Service, super bequemen Betten und einem exorbitant leckerem Frühstücksbuffet. Außer am Pool des Hotels zu chillen und von dort aus die wunderschöne Landschaft zu bewundern, haben wir nicht viel gemacht. Für mich persönlich war Vang Vieng somit kein herausragendes Erlebnis. Dafür hat Heiko dort aber einen echten Höheflug erlebt. Trotz seiner Höhenangst hat er sich nämlich gewagt für 75 $ mit dem Heißluftballon 45 Minute lang über das Karstgebierge zu fahren. Für ihn war das ein wirklich einmaliges und aufregendes Erlebnis, das er in eindrucksvollen Bildern festgehalten hat.

 

Hin…

Für uns gemeinsam war vor allen Dingen die An- und Abreise nach Vang Vieng sehr erlebnisreich. Da wir unsicher waren, wie Tara die lange Fahrt von Luang Prabang nach Vang Vieng (zwischen 3-5 Stunden) über die kurvenreiche Passstraße vertragen würde, haben wir uns nach langem Überlegen dazu entschieden, für 180 $ ein Auto mit privatem Fahrer zu mieten. Natürlich erwarteten wir für das Geld möglichst entspannt und schnell an unser Ziel zu kommen… aber das war offensichtlich ein Trugschluss. Auf den ersten Blick sah alles noch recht positiv aus: Der Fahrer holte uns pünktlich am Hotel ab, machte einen netten Eindruck und das Auto schien auch in Ordnung zu sein, war schön groß und geräumig. Tara fand das Autofahren außerdem total super. Sie saß entweder vergnügt auf meinem Schoß oder schlief friedlich vor sich hin.

Private Van in Lao

Weniger toll fanden wir es, dass wir bereits kurz nach der Abfahrt in Luang Prabang ein beunruhigendes, schleifendes Geräusch hören konnten, das uns zweifeln ließ, ob das Auto wirklich in so einem Top Zustand war. Der Fahrer hielt auch immer mal wieder an, nicht jedoch um nach dem Auto zu schauen, sondern um sich noch mehr Zigaretten und Energy-Drinks zu kaufen. Trotz der vielen Energy-Drinks schien er es aber nicht wirklich eilig zu haben, da wir immer wieder von anderen Autos, Bussen oder LKWs überholt wurden. Das Tempo wurde dann noch mal langsamer je schlechter die Straße wurde und je weiter wir uns von Luang Prabang entfernten, desto schlechter wurde die Straße. Um zu verhindern, dass die sowieso schon scheuernde Achse brechen würde, mussten wir jedes Schlagloch (und teilweise bestand die Straße nur aus Schlaglöchern) in großem Bogen umrunden. Sobald es dann den Berg hinauf ging, verringerte sich unser Tempo noch einmal deutlich. Wenn überhaupt krochen wir mit maximal 10 KM/H die steile Strecke hinauf. Dazwischen mussten wir immer wieder anhalten, damit der dampfende Kühler nicht explodierte. Nach der Passstraße folgte dann wieder Schlagloch um Schlagloch, das in großem Bogen umrundet wurde. So kamen wir nicht in er erhofften Rekordzeit, sondern nach fünfeinhalb Stunden total erschöpft und erledigt in Vang Vieng an.

Lao Mountains in Mist
Blick in die Nebelwand auf der Bergspitze

Wenn ich nicht die meiste Zeit damit beschäftigt gewesen wäre, Angst zu haben, dass das Auto komplett zusammenbricht und wir unser Ziel überhaupt nicht mehr erreichen, wäre die Fahrt eigentlich sehr schön gewesen. Die Landschaft war nämlich unglaublich beeindruckend: So vielfältig, grün, reichhaltig, satt und idyllisch. Zuerst dominierten Reisfelder, Hügel und Wälder in unzähligen Grüntönen das Bild. Nur ab und zu kamen wir an einem kleinen Dörfchen vorbei. Das machte uns einerseits deutlich wie gering Laos besiedelt ist und gleichzeitig wurde uns die Armut der Landbevölkerung hier deutlich vor Augen geführt. Beim Anblick der einfachen, ärmlichen Häuser hatte man teilweise das Gefühl sich auf einer Zeitreise zurück in das 19. Jahrhundert zu befinden.

Lao Mountain View

Der Weg die Passstraße hinauf war trotz unseres Schneckentempos sehr beeindruckend. Am höchsten Punkt schienen wir in die tief hängende Wolkendecke hinein zu tauchen und wurden von der weißen Nebelwand umhüllt. Gleichzeitig konnte man auf der Straße immer wieder die Folgen heftiger Regenfälle sehen. Teilstücke der Straße waren einfach weggespült und nur notdürftig repariert. Im Tal angekommen türmten sich dann die ersten unwirklichen Karstfelsen im Postkartenidyll auf. Stellenweise wirkte die Landschaft so pittoresk, hübsch, wie das perfekte Abbild einer alten Skizze Indochinas aus dem frühen 20. Jahrhundert: Fast zu schön, um wahr zu sein!

Vang Vieng Mountains

 

…und weg

Die Hinfahrt nach Vang Vieng hatten wir so zwar wohlbehalten überstanden, waren dafür aber auch um 180$ ärmer. Da Tara die gesamte Fahrt über sehr friedlich war und wir definitiv nicht bereit waren noch einmal eine so horrende Summe für die Fahrt nach Vientiane zu zahlen, beschlossen wir für diese Strecke den VIP Mini Van zu nehmen. Das kostete mit der Sout Chai Travel Company gerade mal 50.000 Kip pro Person, also ca. 12 Euro für uns alle zusammen.

Der schäbige Restaurantbesitzer bei dem wir die Tickets kauften, versicherte uns, dass man uns um 13:00 Uhr im Hotel abholen würde. Also warteten wir vor unserem Hotel auf den Van. Als um 13:30 Uhr immer noch kein VIP Mini Van zu sehen war, sind wir mit dem TukTuk zum Busunternehmen gefahren. Auch dort war keine Spur von einem VIP Mini Van, stattdessen scharrte sich ein chaotischer Pulk Backpacker um einen großen Reisebus. Nach langem hin und her hatte ich endlich einen Mitarbeiter des Busunternehmens gefunden, der mir erklärte, dass an diesem Tag kein VIP Mini Van nach Vientiane fahren würde und wir stattdessen in den Reisebus steigen sollten. In der Zwischenzeit waren die anderen Backpacker bereits alle in den Bus gestürmt und die guten Plätze in den vorderen Reihen waren somit belegt. Wir fanden schließlich die letzten freien Plätze in einer der hintersten Reihen, umgeben von all den Party-Peoplen die sich zum Saufen und Feiern extra ganz nach hinten verzogen hatten. Ich roch die Alkoholausdünstungen schon von weitem, sah die mit Mekong-Whiskey gefüllten Cola-Flaschen kreisen und dachte nur: “Verdammt! Das wird ja eine heitere Fahrt!” Den Party-Backpackern ging es aber ähnlich, als sie uns erblickten. Tara wurde komplett schockiert angestarrt und aus der Party-Anführerin platzte ein lautes “Oh fuck. A baby!” heraus.

Lao Scenic Landscape

Letzten Endes waren wir aber alle sehr positiv von einander überrascht: Die Backpacker waren froh, dass Tara die Fahrt über friedlich in meinen Armen schlief. Wir waren froh, dass die befürchtete Bus-Party so doch nicht stattfand. Stattdessen hatten sich unsere Mitreisenden nach kurzer Zeit mit der Whiskey-Cola Mischung friedlich in den Schlaf gesoffen. Vor allen Dingen war ich aber sehr froh, dass der Bus relativ bequem war und gut vorankam. Unterwegs war dann wieder viel Zeit die unglaubliche Landschaft zu bewundern: So viel unberührtes Grün habe ich seit dieser Fahrt nicht mehr gesehen. Gleichzeitig konnte ich es nicht lassen, ab und zu die ausschweifenden Erzählungen unserer Sitznachbarn zu belauschen. Dabei wurde ich selbst ein bisschen wehmütig an unsere eigene Partyzeit zurückerinnert, während sich Tara gemütlich in meinen Schoß kuschelte.

Lao Bus

Die unberührte Natur fand ein jähes Ende, sobald wir uns Vientiane näherten. Zwar wurde die Straße merklich besser, dafür fuhren wir nun aber, im dichter werdenden Verkehr, für über eine Stunden durch triste, immergleiche Vororte und Industriegebiete. Nach knapp vier Stunden hatten wir dann so plötzlich, wie unerwartet unser Ziel erreicht. Wie aus dem Nichts befanden wir uns auf einmal in der Stadtmitte von Vientiane und hielten vor dem Vat Mixay. Von dort konnte wir in gerade mal 5 Minuten zu unserem Hotel laufen, glücklich, hungrig und kaputt diesen Teil unserer Reise endlich hinter uns gebracht zu haben.

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