Vientiane Airport

Vientiane mit Baby

Die über 600.000 Einwohner Stadt Vientiane ist seit dem 16. Jahrhundert die Hauptstadt von Laos. Die Stadt hat eine sehr lange und ereignisreiche Geschichte. Zuletzt haben die französischen Kolonialherrscher sowie die politisch, unruhigen Jahre während des Vietnamkriegs das Stadtbild deutlich geprägt. Heute ist Vientiane die aufstrebende Metropole und das moderne Herz des Landes.

Wir haben im Dezember 2015, mit unserer damals 5 Monate alten Tochter, zwei überraschend schöne Tage in Vientiane verbracht. Ich bezeichne diese Tage als ‘überraschend schön’, da uns vorab davon abgeraten wurde überhaupt nach Vientiane zu reisen. Von mehreren Seiten hörten wir, die Stadt wäre zu klein, hässlich und es gebe dort sowieso nichts zu sehen. Trotzdem haben wir uns von diesen negativen Einschätzungen nicht abhalten lassen. Unsere Neugier war einfach zu groß, auch die Hauptstadt von Laos kennenlernen zu wollen. Zum Glück sind wir unserem Impuls gefolgt, denn ohne den Aufenthalt in Vientiane hätten wir den Blick auf das urbane, junge Laos verpasst. Wir hätten spannende Gebäude, trubelige Märkte und exzellente Restaurants verpasst. Wir hätten eine unglaublich heterogene Stadt verpasst: Tempel und sozialistische Prachtbauten dominieren hier ebenso das Stadtbild, wie schicke Restaurants und hippe Bars. Überall scheint hier etwas Neues zu entstehen – und dazwischen entdeckt man immer wieder völlig ausgestorben wirkende Gassen. Die breiten, eleganten Straßenzüge verleihen der Stadt fast ein europäisches Flair, dem die bröckeligen Fassaden der alten Häuser zu spotten scheinen. Vientiane erinnert somit ein bisschen an Phnom Phen, wirkt teilweise jedoch moderner und zur gleichen Zeit fast noch chaotischer, verbauter und unstrukturierter.

Lao Telecom Vientiane

Insgesamt fand ich Vientiane sehr facettenreich, spannend und unbedingt einen kurzen Besuch wert. Die zwei Tage reichten uns jedoch völlig aus, um einen guten Einblick in die Stadt zu gewinnen. Auch mit Baby war die Stadt ein entspanntes Reiseziel. Das Zentrum ist extrem kompakt und kann man in ca. 2 Stunden gut zu Fuß erkunden. An jeder Ecke finden sich schöne Cafés oder Restaurants, in denen man eine Pause einlegen kann – und auch hier sind wir wieder nur auf aufgeschlossene und hilfsbereite Menschen getroffen.

 

Erleben

Im Stadtzentrum Vientianes befinden sich eine ganze Anzahl schöner Tempel. Die meisten findet man entlang der Setthathirat Road. Besonders gefallen hat uns der farbenfrohe Wat Impeng, mit seinen bunten, ausdrucksstarken Wandmalereien und Spiegelmosaik-Verzierungen. Direkt daneben befinden sich der Wat Ongteu und der Wat Mixay.

Wat Impeng

Der älteste erhaltene und damit auch bedeutendste Tempel der Stadt ist jedoch der Wat Sisatek aus dem Jahr 1818 (Eintritt = 5.000 Kip). Er ist der einzige Tempel der die zahlreichen Kriege unbeschadet überstanden hat. Das Innere des Sim ist mit schönen Wandmalereien verziert. Noch beeindruckender ist jedoch der Wandelgang, der den Sim umschließt. Dort befinden sich, in unzähligen Nischen, tausende Buddha-Figuren. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Jahrhunderten und teilweise auch aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Manche der Figuren sind nur notdürftig erhalten, andere prachtvoll, scheinen wie neu zu sein – und alle sind wunderschön. Auch wenn die Statuen einander scheinbar sehr ähnlich sind, sind sie doch alle verschieden. Immer wieder konnten wir einen anderen Gesichtsausdruck, andere Verzierungen oder Gesten erkennen.

Wat Sisatek

Ein bisschen Pariser Flair verspürt man, wenn man die breite Lane Xang Avenue auf den Patuxai zugeht. Das Monument, das in eine weitläufig angelegte Park- und Brunnenlandschaft eingebetet ist, soll an die gefallenen Soldaten der zahlreichen Kriege erinnern. Es ähnelt in Form und Aussehen dem Arc de Triomphe in Paris. Im Inneren des Triumphbogens wird einem dann aber schnell klar, dass man sich hier in Laos und nicht in Frankreich befindet: In den Treppenaufgängen finden sich immer wieder Buddha-Figuren, während Hammer & Sichel Flaggen auf dem Dach wehen. Des Weiteren befinden sich in den oberen Stockwerken, die nach Ratten- und Mäusekot müffeln, zahlreiche Souvenirstände, die allerlei Kitsch verkaufen. Fragt sich nur an wen?

Ein Highlight Vientianes ist sicherlich der That Luang – eine große, goldene Pagode mit Wandelgang (Eintritt = 5.000 Kip). Obwohl der That Luang die zahlreichen Kriege nicht unbeschadet überstanden hat und mehrfach wiederaufgebaut wurde, gilt er als das bedeutendste, religiöse Bauwerk des Landes. Wir sind am späten Nachmittag mit dem TukTuk für je 35.000 Kip zum That Luang gefahren, der sich etwas außerhalb des Stadtzentrums befindet. Als wir ankamen reflektierten die Strahlen der Nachmittagssonne das Gold der Pagode so stark, dass wir für einen Moment völlig geblendet waren. Je näher wir kamen, desto angenehmer wurde aber das Licht und als wir schließlich direkt vor dem Gebäude standen, schien das Gold plötzlich gar nicht mehr so glänzend zu sein, wie es anfangs noch schien.

That Luang Vientiane, Laos

Nachdem wir den That einmal umrundet hatten, besichtigen wir den Wat That Luang Thai, der rechts neben dem That Luang liegt. In dessen Garten befindet sich ein großer, liegender Buddha, der aus der Entfernung ebenfalls verlockend funkelte. Danach haben wir die riesige Treppe des fast monströsen Ho Thammasapha erklommen, das sich unübersehbar links neben dem That Luang befindet. Im Vergleich zu dem gewaltigen Gebäude, wirkt dessen Inneres fast schlicht. Sehr schön fanden wir die detailreichen, bunten Deckenverzierungen.

 

Shoppen

In Vientiane hatten wir zwar kein Problem mit den Geldautomaten, wie in Luang Prabang, dafür wurden wir hier aber auch kaum zum Kaufen verführt. Das lag einerseits daran, dass man die Anzahl der schönen Geschäfte eher an einer Hand abzählen kann. Selbst im Zentrum stehen viele Läden leer. Andererseits sind die vorhandenen Geschäfte teilweise noch einmal exklusiver und damit auch teurer als in Luang Prabang. Zum Kaufen verleitet wurden wir dann aber trotzdem in der T’shop Lai Gallery. Dort gab es, außer den für uns unbezahlbaren Kunstgegenständen, tolle in Laos handgemachte Kosmetikprodukte der Les Artisan Lao, wie zum Beispiel Seifen, Bodylotions, Duftöle etc.

Der Nachtmarkt, der jeden Abend an der Mekong Uferpromenade stattfindet, ist groß, bunt und gleichzeitig sehr entspannt, da nicht zu überlaufen. Hier gibt es unzählige, günstige Kosmetikprodukte, Kleidung und Gedöns aus Thailand. Es gibt auch ein paar Stände, die auf Touristen ausgerichtet sind, diese bieten jedoch ähnliche Produkte an, die wir bereits in Luang Prabang gesehen hatten. Insgesamt schlendern vornehmlich Einheimische über den Markt. In den umliegenden Parks wird fleißig Sport getrieben, sich getroffen, geflirtet, Musik gemacht und am Fluss entlang flaniert. Eine sehr schöne, entspannte und auch offene Stimmung.

Night Market Vientiane

Windeln, Wasser, Snacks und alles Weitere haben wir im M-Point Mart auf der Setthathirat Road gekauft. Der Preis lag auch hier bei umgerechnet 2€ für 5 Windeln. Im Hotel hatte man uns zwar den Phamphone Markt empfohlen, um dort Windeln zu kaufen. Dort findet man aber nur teuere, importierte westliche Lebensmittel, wie Müsli, Haribo, Milka. Außerdem gibt es eine kleine Auswahl an ebenso überteuerten Laos Souvenirs. Aufgrund der übertriebenen Preise, haben wir uns daher für die günstigeren, asiatischen Varianten im M-Point Mart entschieden. Zu empfehlen ist jedoch das Café Benoni, das sich im selben Gebäudes wie der Phamphone Markt befindet. Hier sitzt man, angenehm klimatisiert, auf bequemen Sesseln und kann wirklich leckere Pasta, Smoothies, Kaffee und Kuchen genießen.

 

Essen

Das Lao Kitchen liegt in der verschlafenen Heng Boun Road. Hier gibt es köstliche, laotische Gerichte, zu einem super Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir hatten zur Vorspeise Herb Phan Miang, ein Salat aus unterschiedlichsten Kräutern und Erdnüssen, der in Betelnussblätter gerollt wird: Eine unglaubliche Geschmacksexplosion im Mund. Einfach nur Boom! Zur Hauptspeise gab es ein Curry für Heiko und für mich ein Tofu Laab, das ein ebenso überraschendes Geschmackserlebnis war.

Noy’s Friut Heaven liegt direkt gegenüber des Lao Kitchens und zog uns magisch mit der wunderschön dekorierten Furchtpyramide an, die am Eingang des Ladens steht. Die Frucht Shakes, die man sich sogar mit Superfoods wie Weizengras oder Spirulina aufpimpen lassen kann, sind hier wirklich einmalig frisch und lecker. Ebenso köstlich sind die riesigen Banana Pancakes, die wir uns als zweites Frühstück gönnten.

Noy's Fruit Heaven

Wer Lust auf ein Stück Frankreich in Laos hat, ist im La Banneton genau an der richtigen Adresse. Das La Banneton ist ein typisches französisches Café / Bäckerei. Hier gibt es köstliche Croissants, Gebäck und Baguette. Wir haben uns hier zum Frühstück mit himmlischen Mandelcroissant und Café au Lait verwöhnt, während Tara von den lieben Angestellten bespaßt wurde und hinter der Theke aushelfen durfte.

 

Übernachten

Unser Hotel in Vientiane sollte vor allen Dingen zentral, sauber und bezahlbar sein. Daher fiel unsere Wahl auf das Ibis Nam Phu. Objektiv betrachtet kann ich tatsächlich auch nichts negatives über das Hotel sagen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war vollkommen in Ordnung, das Personal war sehr freundlich, schnell und effizient. Die Lage am Nam Phu Brunnen ist wirklich sehr zentral. Das Zimmer war sauber, bot genügend Platz für Stauraum und das Bett war bequem. Dennoch habe ich mich dort nicht hundertprozentig wohl gefühlt. Das mag unter anderem daran gelegen haben, dass man die Fenster nicht öffnen konnte, da sonst der Lärm und Gestank der Stadt ins Zimmer geschwappt wäre. So atmeten wir die gesamte Zeit nur die künstliche Luft der Klimaanlage ein, etwas das ich überhaupt nicht mag. Dazu kam, dass das Zimmer zwar nicht wirklich klein war, aber auch nicht überragend groß. Daher habe ich mich, vor allem in den Mittagsstunden, wenn wir der Hitze der Stadt entflohen sind, teilweise sehr eingesperrt gefühlt. Vermutlich wäre es besser gewesen, etwas mehr Budget einzuplanen und ein Hotel mit Pool zu nehmen, wo wir uns in der Mittagszeit richtig hätten erholen und entspannen können. Nach unseren Erkundungen durch die teilweise schlechte Luft der lauten Stadt, habe ich die Natur und frische Luft vermisst, die in Luang Prabang so erholsam war.

2 Gedanken zu „Vientiane mit Baby

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